Im Russischen Kaiserreich gab es den Ausdruck "bis zu den Kranichen frühstücken", der modernen Menschen seltsam erscheinen mag. Doch im vorrevolutionären Moskau konnten nur wohlhabende Menschen so sprechen, und das hing mit dem Hotel-Restaurant-Komplex "Slawischer Basar" zusammen.
Diese Gaststätte war rund um die Uhr geöffnet, und oft ging das Abendessen nahtlos in das Frühstück über. Wenn ein Besucher bis zum Morgen blieb, erhielt er eine kristallene Karaffe, verziert mit goldenen Kranichen, in der sich teurer Cognac im Wert von 50 Rubel befand. Derjenige, der das Getränk bezahlte, konnte die Karaffe mitnehmen. Damals war es in Mode, solche Karaffen zu sammeln und sie Gästen zu zeigen.
Das Restaurant war nach dem neuesten Stand der Technik gestaltet und beeindruckte mit seinem Luxus. Der Schriftsteller Dmitri Boborykin beschrieb es so: "Eine Reihe breiter Fenster im zweiten Stock mit Büsten russischer Schriftsteller zeigte von innen Drapierungen, Tapeten im Kacheldesign, figürliche Türen und Treppen. Ein Pool mit einem kleinen Brunnen fügte dem sanften Tappsen der Füße auf dem Asphalt das Plätschern des Wassers hinzu, was das Gefühl von Grün oder einer Grotte vermittelte. An den Wänden standen Sofas aus dunkelmalvenem Stoff, die das Auge beruhigten und einluden, an Tische zu sitzen, die mit frischer Wäsche bedeckt waren."
Manchmal führten diese Pracht zu kuriosen Vorfällen, wie der Journalist Gilyarovsky erzählte: "Eines Tages saßen im 'Slawischen Basar' beim Frühstück zwei Betrüger. Einer sagte zum anderen: 'Siehst du, in meinem Teller sind irgendwelche Gitter. Was bedeutet das?' Worauf der zweite antwortete: 'Das bedeutet, dass du dem Gefängnis nicht entkommen wirst! Das ist ein Vorzeichen!' In Wirklichkeit spiegelten sich in dem Teller die Fensterrahmen der gläsernen Decke."
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