Die russische Theaterschule galt immer als eine der besten der Welt, und vor der Revolution war Maria Gavrilovna Savina ihre herausragende Vertreterin. Sie wurde am 11. April 1854 in Kamenez-Podolsk in einer Familie wenig bekannter Schauspieler geboren. Schon in ihrer Kindheit spielte Maria Gavrilovna im Theater und gab mit acht Jahren ihr Debüt auf der Bühne. Seitdem verließ sie das Theater nicht mehr und erhielt nach ihrem Umzug nach Moskau eine ausgezeichnete Ausbildung, indem sie bei Meistern wie Schubert und Schepkin Schauspielkunst studierte.
Erstmals trat Maria Savina, damals noch Podramentsova, mit 15 Jahren in einem Moskauer Stück auf, wonach sie in das Theater von Charkow unter der Leitung des bekannten Regisseurs Michail Wasiljewitsch Lentowski aufgenommen wurde. Bald heiratete sie ihren Kollegen Nikolai Savin und tourte durch viele Städte. Ihre Karriere im Theater entwickelte sich erfolgreich, doch die erste Ehe war unglücklich und hinterließ sie mit großen Schulden. Dennoch verlor Maria Gavrilovna nicht die Hoffnung: Zunächst wurde sie Hauptdarstellerin im Saratower Theater und zog dann in die Hauptstadt.
1874 debütierte Savina auf der Bühne der Adelsversammlung, wo sie von den Hauptstädter Regisseuren bemerkt und ins Alexandrinski-Theater eingeladen wurde. Sie gewann schnell das Vertrauen von Alexander Nikolajewitsch Ostrowski, der ihr Hauptrollen in seinen Stücken anvertraute. Ihre Anmut und schauspielerischen Fähigkeiten, unterstützt von natürlichem Talent, eroberten die Zuschauer. 1910 fand sie ihr persönliches Glück mit Anatoli Jefgrafowitsch Moltschanow, ihrem treuen Verehrer und wohlhabenden Mann, der für sie ein neues Herrenhaus baute. Doch ihr Glück war von kurzer Dauer: Am 21. September 1915, im Alter von 61 Jahren, verstarb Savina. Neben ihrer Theaterkarriere hinterließ sie ein gutes Andenken als Mäzenin, die ein Altersheim für alte Künstler gründete, das heute als „Haus der Veteranen der Bühne der Allrussischen Theatergesellschaft“ bekannt ist.
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