Das Restaurant "Prag" in Moskau gilt heute als eines der prestigeträchtigsten und luxuriösesten. Doch in den 80er Jahren des 19. Jahrhunderts versammelten sich hier betrunkene Fuhrleute, die, wissend um die einfache Küche und den günstigen Alkohol, scherzten und das Wirtshaus "Braga" nannten. Alles änderte sich durch einen Zufall. Eines Tages wettete der Kaufmann Semjon Tararykin mit dem Besitzer des Lokals, dass er ihn im Billard besiegen könne, während er nur mit der linken Hand spielte. Der Wirt stimmte dem Match zu und setzte das Restaurant auf die Karte. Tararykin schaffte es tatsächlich, alle Kugeln mit einer Hand in die Taschen zu versenken.
Nachdem er die begehrte Lokalität im Zentrum Moskaus erhalten hatte, begann Semjon Petrowitsch mit dem umfassenden Umbau des Gebäudes. Er verzichtete auf den Gemeinschaftsraum und teilte das Restaurant in mehrere Bereiche, was es ermöglichte, verschiedene Veranstaltungen gleichzeitig abzuhalten. Der Kaufmann änderte auch die Speisekarte und ersetzte einfache Suppen, Breie und Piroggen durch exquisite Gerichte. Besonders beliebt waren Rasstegai mit Stör und Sterlet. Sogar das Geschirr war einzigartig: Auf den Tellern prangte die Aufschrift "Grüße von Tararykin".
Im "Prag" fanden große Feiern zu besonderen Anlässen statt. Zum Beispiel erhielten vor Weihnachten alle Besucherinnen einen Fächer mit Ansichten von Prag, parfümiert mit dem französischen Duft "Koti". Hier versammelte sich die kreative Intelligenz Moskaus, darunter Leo Tolstoi, Alexander Kuprin, Anton Tschechow, Iwan Bunin und Maxim Gorki. Im Jahr 1913 feierte Ilja Repin hier die erfolgreiche Restaurierung seines Gemäldes "Iwan der Schreckliche und sein Sohn Iwan".
Nach der Revolution wurde das Restaurant, wie viele andere, nationalisiert und in eine Kantine von Mosselprom umgewandelt. Hier spielte sich eine Episode aus "Die 12 Stühle" ab, als Kisa Worobjaninow und Liza das Geld ausgaben, das für Möbel mit Schätzen vorgesehen war.
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