Am Ende des 19. Jahrhunderts war in der Russischen Empire ein Witz populär: "Wenn plötzlich zwanzig Gäste kommen, keine Sorge. Gehen Sie in den Keller und holen Sie sich von dort die Schenkel..." Dieser Satz spiegelt treffend die kulinarischen Ratschläge aus dem Buch von Elena Ivanovna Molochovets "Geschenk für junge Hausfrauen oder Mittel zur Senkung der Ausgaben im Haushalt" wider. Obwohl dieser spezifische Satz nicht im Buch steht, vermittelt er genau den Kern der Sammlung.
Elena Molochovets wurde im Mai 1831 in eine Adelsfamilie geboren, schloss das Smolny-Institut ab, heiratete den Architekten Franz Molochovets und zog mit ihm nach Kursk. Man sagt, dass ihre kulinarischen Bestrebungen durch erste Misserfolge im Familienleben angestoßen wurden. Im Vorwort versprach Elena Ivanovna, jungen Frauen beizubringen, schnell zu kochen und erfolgreich einen Haushalt zu führen.
Der Schwerpunkt des Buches lag auf Rezepten. In den ersten Band wurden 1500 Rezepte aufgenommen, darunter "schnelle Gerichte", hauptsächlich Salate: russische, italienische, französische. Alle Gerichte konnten aus verfügbaren Zutaten zubereitet werden, ohne seltene Delikatessen. Molochovets gab auch Ratschläge zur Servierung und Lagerung von Lebensmitteln, zum Beispiel, wie man Eis richtig isst oder Käse lagert.
Das Buch erregte Aufmerksamkeit durch das vielfältige Menü, das sowohl für Fleischesser als auch für Fastende und Vegetarier geeignet war. Der kommerzielle Erfolg der Sammlung übertraf alle Erwartungen: Sie wurde 29 Mal neu aufgelegt, die Gesamtauflage erreichte etwa 300.000 Exemplare. Im Jahr 1918 wurde "Geschenk für junge Hausfrauen" als bürgerlich angesehen, unter anderem wegen solcher Zeilen: "Wenn dieses Fleisch am Knochen gekocht ist, nehmen Sie es ab, hacken Sie es und verwenden Sie es für die Füllung von Piroggen, Karawaj, die zu Suppe serviert werden, für Forshmak oder geben Sie es dem Dienstpersonal."
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