Am Ende des 19. Jahrhunderts begann sich in der Welt ein neuer Sektor der Luftfahrtindustrie, der Luftschiffbau, aktiv zu entwickeln. Russland blieb im Vergleich zu anderen Ländern nicht zurück und baute eigene Luftschiffe. Bis 1910 handelte es sich dabei hauptsächlich um zivile Modelle oder Schul-Luftschiffe zur Ausbildung von Piloten. In dieser Zeit begann man jedoch ernsthaft, die Möglichkeit der Nutzung von Luftschiffen im Krieg zu prüfen, was den Ersten Weltkrieg vorwegnahm.
Die Entwicklung des Militärluftschiffs wurde gründlich angegangen. Das Projekt wurde von Stabs-Kapitän Afanassi Schabski entworfen, der ein multifunktionales Luftschiff plante. Nach seinem Plan sollte das Luftschiff nicht nur feindliche Stellungen bombardieren, sondern auch Luftaufklärung durchführen. Zum Schutz vor Jagdflugzeugen wurden zwei leistungsstarke Maschinengewehre installiert. Bemerkenswert ist, dass das Luftschiff fast vollständig aus einheimischen Materialien in russischen Fabriken gebaut wurde. Die Hülle wurde von der Fabrik „Dreieck“ hergestellt, die Rahmen, Gondel und Plattform von der Fabrik „Duks“, die für die Herstellung von Fahrrädern bekannt ist. Die Propeller wurden in Sankt Petersburg montiert. Das einzige Problem trat mit den Motoren auf, die im Ausland beschafft werden mussten.
Bis August 1910 war das Projekt abgeschlossen. Ursprünglich wurde das Luftschiff „Kommission“ zu Ehren der Entwerfer und Bauherren der Transportkommission genannt. Später entschloss man sich jedoch, den Militärluftschiffen Namen von Vögeln zu geben, und „Kommission“ wurde zu „Kretschet“. Die Tests dauerten mehrere Monate, und das Luftschiff zeigte hervorragende Ergebnisse. Das 70 Meter lange „Kretschet“ konnte problemlos in eine Höhe von 1,5 Kilometern aufsteigen, erreichte hohe Geschwindigkeiten und war einfach zu steuern.
Mit dem Beginn des Ersten Weltkriegs trat „Kretschet“ der 9. Luftschiffkompanie bei, die in Lida stationiert war. Über das weitere Schicksal dieses Luftschiffs ist nichts bekannt. Russische Luftschiffe wie „Berkut“ und „Kondor“ übermittelten jedoch erfolgreich wertvolle Aufklärungsdaten und bombardierten feindliche Stellungen. Dennoch begann der russische Generalstab zur Mitte des Krieges, Flugzeuge, insbesondere vom Typ „Ilja Muromez“, aktiver zu nutzen, die sich als deutlich effektiver als Luftschiffe erwiesen.
Kommentare
Noch keine Kommentare. Seien Sie der Erste.
Um einen Kommentar zu hinterlassen, mit Google anmelden.