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Kolonie «Alexanderdorf»

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Kolonie "Alexanderdorf"

Wie lange kann ein Mensch Emigrant bleiben? Nicht lange. Entweder er stirbt oder wird Teil einer neuen Kultur, Deutscher, Franzose, Italiener oder Araber. Das geschieht schneller, als man denkt.

Kaiser Alexander I. schenkte einem gewissen Friedrich 25 russische Sänger, da dieser ein Liebhaber der Poesie und ein sentimentaler Mensch war. Die Sänger hießen Petrow, Sidorow, Gawrilow, Kudinoff, und sie waren Großrussen. Ihr Gesang bereitete Friedrich große Freude, denn die Deutschen waren immer begeistert von russischem Gesang.

Friedrich bewirtete sie mit Wein und Bier und baute für sie ein Dorf bei Berlin, nahe Potsdam, das er zu Ehren Alexanders "Alexanderdorf" nannte.

Friedrich plante "Alexanderdorf" selbst, damit das Dorf russisch und nicht deutsch aussah. Er baute es mit Herz: Hütten statt Steinhäuser, Reetdächer statt Ziegel, Scheunen und einen Dreschplatz im Freien. Die Sänger lebten hier, als wären sie bei Friedrich in der Tasche.

Friedrich verheiratete sie mit Deutschen, die sie für ihre angenehme Art und ihr Gesangstalent schätzten.

Doch mit den Sängern geschah ein Unglück. Sie sangen weiterhin russische Lieder im Schloss Sanssouci in Potsdam, aber plötzlich hörten sie auf zu sprechen. Ihre Sprache wurde unverständlich, weder auf Deutsch noch auf Russisch.

Eines Tages besuchte sie ein Landsmann und versuchte, mit ihnen zu sprechen, aber sie verstanden ihn nicht. Sie mussten "Ich wanderte in den Abendstunden" singen.

Die Hütten mit Reetdächern, die Scheune mit dem Dreschplatz, die Sonnenblumen hinter der Hütte, all das wurde für die Sänger unverständlich. Sie wünschten sich, dass alles wie bei den Menschen wäre, aber es klappte nicht. Außerdem verschwanden ihre Stimmen.

"Alexanderdorf" steht bis heute unter Berlin. Wenn man sich ihm nähert, sieht man russische Hütten, geschnitzte Fenster, Veranden und eine weiße Kirche in der Ferne. An den Hütten stehen die Namen der Besitzer: Herr Gawrilow, Herr Makarow, Herr Kramarenkow. Aber wenn man mit Herrn Kramarenkow spricht, wird er überrascht sein und sagen: "Was? Ich verstehe gar nicht."

Die russische Emigration der großen russischen Revolution besucht traurig "Alexanderdorf". Aber ihr Schicksal ist schlimmer als das der Sänger Alexanders. Sie hat weder Friedrich, noch eine Hütte, noch eine Scheune. Die Stimme ist verschwunden. In Tegel stehen weiße Kreuze für diejenigen, die bis zum Tod Russisch sprachen und starben, ohne Deutsch zu lernen.

Die Emigranten haben ein besonderes Gehör, sie hören, wie die Jahre vergehen. Daraufhin schließen sie schmerzhaft die Augen. "Nikolai Petrowitsch, lieben Sie das Leben?", "Und Sie, Marja Sergejewna, denken Sie, dass wir mit Ihnen ein Leben haben?", "Wie meinen Sie das, Nikolai Petrowitsch?", "Ja so. Marja Sergejewna, wir leben schließlich von der Hand in den Mund." So sprach im Straßenbahn Nr. 7 ein Mann mit einer Brille zu einer blonden Frau.

Die Straßenbahn Nr. 7 fuhr, klimpernd, den Kurfürstendamm hinunter.

Geo-Punkt

Колония «Александровка»

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