Am 22. Juli 1851 fand in der Familie eines Ingenieurs des Bergbaukombinats in Wosnesensk, Gouvernement Orenburg, ein freudiges Ereignis statt: ein lang erwarteter Sohn wurde geboren. Doch das Kind, das den Namen Nikolai Kobeljkow erhielt, kam aufgrund einer seltenen Krankheit, dem Tetraamelie-Syndrom, ohne Gliedmaßen zur Welt.
Trotzdem wuchs Nikolai wie ein normales Kind auf und zeigte außergewöhnliche Fähigkeiten im Lernen. Bereits im Alter von vier Jahren lernte er, zu schreiben, indem er die Seiten mit der Nase umblätterte. In der Schule fiel es ihm schwer zu schreiben, aber er fand einen Ausweg: Er klemmt das Schreibgerät zwischen Kinn und rechter Stumpf, was oft dazu führte, dass er ganz mit Tinte beschmiert war. Zuhause wurde er deshalb liebevoll Klecks genannt.
Nach dem Abschluss des Gymnasiums vermittelte sein Vater ihm eine Stelle als Buchhalter in einer Fabrik. Man sagte, er sei gut im Rechnen. Eines Tages, während er in einem Café entspannte, bemerkte ihn der Unternehmer Berg und bot ihm an, in seinem Zirkus aufzutreten, der Theater- und Zirkusnummern kombinierte. Nikolai gewann schnell an Popularität in der Hauptstadt, indem er auf der Bühne seine Fähigkeiten demonstrierte: Er tanzte, malte Bilder, sprang von Stuhl zu Stuhl, bewegte sich schnell über die Bühne mit einem Assistenten auf den Schultern, fädelte einen Faden in eine Nadel, schoss mit Gewehr und Pistole und am Ende der Vorstellung schenkte er den Zuschauern Champagner ein und trank auf deren Gesundheit.
Bald begannen die Tourneen, und unter Nikolais Bewunderern war König Albert von Sachsen. Im Jahr 1900 begann Kobeljkow, Filme zu drehen. Kurz zuvor traf er seine einzige Liebe, Anna Wilfert. Zur Hochzeit brachte Nikolai den Ehering in einem Säckchen um den Hals und reichte ihn mit den Zähnen zu ihrem Finger. Nach der Hochzeit begannen die Eheleute, mit ihren Vorstellungen zu touren. Sie bekamen 12 Kinder, von denen sechs überlebten: Alexander, Otto, Nikolai, Paul, Ernst und Elena.
Später zog Kobeljkow nach Wien und gründete dort seinen eigenen Zirkus. Er starb 1933 im Alter von 82 Jahren und hinterließ seinen Kindern ein großes Erbe.
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