Im Jahr 1914, mit dem Beginn des Ersten Weltkriegs, erschienen die ersten Verwundeten in russischen Lazaretten. Ein Jahr später brachen an den Fronten Epidemien von Cholera, Dysenterie, Fleckfieber und Typhus aus. Es mangelte katastrophal an Lazaretten, und niemand hatte erwartet, dass der Krieg solche Ausmaße annehmen würde. Da bot Kaiserin Alexandra Fjodorowna an, einen Teil des Winterpalais zur Unterbringung der Verwundeten zu nutzen.
Dort, wo früher Mahlzeiten eingenommen, Kinder gespielt und Bälle veranstaltet wurden, wurden Krankenhausbetten aufgestellt, Operationssäle eingerichtet und Stationszimmer geschaffen. Der teure Parkettboden wurde durch praktischen Linoleum ersetzt. Für das Krankenhaus wurde fast die Hälfte des Winterpalais reserviert, einschließlich des Wappensaals, des Wachsaals, des Alexandersaal, des Nikolaussaal und anderer Räume.
Das Lazarett wurde ohne viel Aufhebens und ohne Anwesenheit des Zaren eröffnet. Nikolaus II. hielt Feierlichkeiten in Kriegszeiten für unangemessen. Im Jahr 1915 ging der Kaiser an die Front, während seine Frau und Töchter eine Ausbildung zur Krankenschwester begannen. Sie absolvierten einen vollständigen Kurs in Chirurgie und studierten zusätzlich Innere Medizin.
Die Praxis ließ nicht lange auf sich warten. Alexandra Fjodorowna arbeitete oft von morgens bis abends mit den Verwundeten: sie verband, half den Chirurgen, zog Splitter heraus und bereitete die Patienten auf Operationen vor. Die Kaiserin befolgte stets alle Anweisungen der Ärzte und scheute sich vor keiner Arbeit.
Das Einzige, was das Personal störte, waren die häufigen Besuche hochrangiger Gäste vom Roten Kreuz und Delegationen aus England, Belgien und Frankreich. Sie fotografierten sich mit den Verwundeten und störten die Arbeit der Ärzte.
Am 25. Oktober 1917 brach im Krankenhaus Chaos aus. Revolutionäre stürmten das Gebäude und rissen die Verbände von den Verwundeten ab, in der Annahme, darunter versteckten sich Minister der Provisorischen Regierung. Am 28. Oktober wurde das Lazarett aufgelöst, und die sowjetische Macht zog es vor, das Krankenhaus nicht zu erwähnen, da die edle Geste der kaiserlichen Familie nicht in ihr Bild vom Zarismus passte.
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