Das moderne Rostow am Don kann mit vielen architektonischen Denkmälern aus der Vorkriegszeit aufwarten, doch viele von ihnen befinden sich, anstatt ein Beispiel für Inhalt zu sein und Touristen anzuziehen, in einem beklagenswerten Zustand. Eines dieser historischen Gebäude ist das ehemalige Einkommenshaus von Frau M.F. Kofus, das 1904 erbaut wurde.
Informationen über den ersten Eigentümer dieses Gebäudes, das einst das Einkommenshaus von Frau Kofus war, sind bis heute nicht überliefert. Es ist nur bekannt, dass es ursprünglich ein zweigeschossiges Gebäude war, in dem sich eine Gaststätte befand (die modernen Bewohner scherzen, dass das Gebäude dank dieser Tatsache überlebt hat, denn Gaststätten brennen nicht). Später erwarb die unternehmerische Frau Kofus das Haus und baute es zu einem großen Einkommenshaus um. Die Arbeiten wurden 1912 abgeschlossen, und laut einigen Angaben war der bekannte Architekt Leonid Fyodorovich Eberg, der 1911 nach Rostow am Don kam, der Autor des Projekts. Kurz nach der Umgestaltung wurde das Gebäude an das Ehepaar Pawlowski verkauft, das neben der Verwaltung des Einkommenshauses auch mit dem Handel von Musikinstrumenten auf der Bolshaya Sadovaya beschäftigt war.
Im neuen Einkommenshaus wurden luxuriöse Wohnungen mit den modernsten Annehmlichkeiten jener Zeit eingerichtet, die viel Geld kosteten. 1915 kam die Warschauer Universität, die wegen des vorrückenden Feindes evakuiert worden war, in die Stadt. Danach lebten bis zum Kommen der Bolschewiki Dozenten und Professoren der Universität im Einkommenshaus, die alle Wohnungen belegten.
Mit dem Kommen der sowjetischen Macht wurden die Bewohner des Hauses aufgrund ihrer hohen Bildung repressiert; in jenen Zeiten konnte man wegen eines „zu intelligenten Gesichts“ erschossen werden. So starb der leibliche Bruder des bekannten Kosakenautors Fyodor Kryukov (einer der echten Autoren der Materialien, die in „Der stille Don“ enthalten sind). Das ehemalige Einkommenshaus Kofus (Pawlowski) verwandelte sich in kommunalen Wohnraum, die innere Ausstattung ging größtenteils verloren, aber das Gebäude insgesamt blieb erhalten und beeindruckt bis heute mit seiner äußeren Majestät.
Leider wurde trotz des Status als Objekt des kulturellen Erbes von regionaler Bedeutung die notwendige Reparatur im Gebäude bis heute nicht durchgeführt, und es zerfällt vor den Augen der Stadtbehörden. Das Rathaus befindet sich nur wenige Hundert Meter entfernt, aber die Beamten unternehmen keine Maßnahmen, um eines der schönsten Denkmäler der Vorkriegsarchitektur zu retten.
Kommentare
Noch keine Kommentare. Seien Sie der Erste.
Um einen Kommentar zu hinterlassen, mit Google anmelden.