Zu Beginn des 20. Jahrhunderts war Butter eines der wichtigsten Exportgüter Russlands, geschätzt für ihren zarten Geschmack und hohe Qualität. Russische Butter war günstiger als ausländische Produkte und dominierte lange Zeit den europäischen Markt. Dieser Erfolg der russischen Butterindustrie ist mit der Tätigkeit des kupferischen Kaufmanns Alexander Nikolajewitsch Balakshin verbunden. Er bemerkte, dass russische Unternehmen zerstreut agieren und im Wettbewerb mit ausländischen Herstellern nicht bestehen können. Balakshin schlug vor, die Kräfte zu bündeln und den Verband der Sibirischen Buttergenossenschaften zu gründen, was 1907 umgesetzt wurde.
Der Verband begann mit 12 kleinen Genossenschaften, wuchs jedoch dank der klugen Wirtschaftspolitik Balakshins schnell. Besonderes Augenmerk wurde auf die Qualität der Butter gelegt: Balakshin bestand darauf, nur natürliche Milch ohne Verunreinigungen und Wasserzusatz zu kaufen. Die Milch wurde von Bauern bezogen, die den Vorteil eines ständigen Abnehmers schätzten. Damit die Butter frisch und geschmacklich hochwertig blieb, wurde für die Fabriken die beste Ausrüstung angeschafft. Bereits 1910 trat die Produktion des Verbands der Sibirischen Buttergenossenschaften auf den europäischen Markt, zunächst mit einer Vertretung in Deutschland und dann mit einer Expansion nach Großbritannien. Erfolgreiche Geschäfte in England steigerten den Umsatz des Unternehmens auf 14 Millionen Rubel, was zu dieser Zeit eine enorme Summe war.
Balakshin erlaubte es nicht, die Gewinne gedankenlos auszugeben. Die Mittel wurden in neue Ausrüstungen und Kühlsysteme investiert. Bis 1913 vereinte der Verband etwa 150.000 Bauernhöfe und wurde das größte Unternehmen in Europa in der Butterproduktion. Doch die Pläne wurden durch den Ersten Weltkrieg zerstört. Alexander Nikolajewitsch versuchte, sich auf den Binnenmarkt umzustellen, aber in der schweren Zeit sanken die Einnahmen drastisch. Zudem wurden viele Genossenschaftsmitglieder in die Armee einberufen, da die Milch von gewöhnlichen Bauern geliefert wurde. Die letzten Lebensjahre verbrachte Balakshin in London, wo er 1921 starb. Zu diesem Zeitpunkt war sein Unternehmen vollständig bankrott.
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