Der Bischkeker Pogrom vom 6., 7. April 1903 wurde zu einem der entscheidenden Ereignisse in der vorrevolutionären Geschichte Russlands. Auslöser war das Verschwinden eines Jugendlichen in Dubossary, das die lokale Presse, insbesondere die Zeitung „Bessarabets“ von Krushevan, im Sinne eines rituellen Vorwurfs darstellte. Gerüchte über die Grausamkeit der Juden gegenüber den Christen verbreiteten sich übertrieben in der Stadt, was die Situation anheizte. Während der Unruhen kamen etwa 50 Menschen ums Leben, rund 600 wurden verletzt, ein Drittel der städtischen Gebäude wurde beschädigt; die örtlichen Behörden, einschließlich des Gouverneurs Raaben, konnten die Gewalt nicht rechtzeitig eindämmen, weshalb er später seines Amtes enthoben wurde.
Die Reaktion der Welt war sofort - das Wort „Pogrom“ fand Eingang in den internationalen Wortschatz. Es ist erwähnenswert, dass ein Teil der damals verbreiteten Informationen über die Gräueltaten später als unzuverlässig erwiesen sich: Bei dem Prozess stellte sich heraus, dass der Zeuge, dessen Aussagen die schockierendsten Publikationen begründeten, persönlich nichts Derartiges gesehen hatte.
Für die revolutionäre Bewegung hatten die Ereignisse eine bedeutende Bedeutung. Der Schlag gegen die Hoffnungen auf eine schrittweise Emanzipation radikalisierte einen Teil der jüdischen Jugend: Einige wandten sich dem Zionismus und der Emigration zu, andere dem revolutionären Kampf. Aus diesem Umfeld wurden die Kampforganisationen der Sozialrevolutionäre und sozialdemokratischen Gruppen verstärkt. Auch die Version über die Beteiligung des Innenministers Pleve an der Duldung der Pogrommacher verbreitete sich - diese Version, die dokumentarisch nicht bewiesen wurde, stärkte dennoch die Feindseligkeit gegenüber der Macht und wurde zu einem der Hintergründe der folgenden terroristischen Akte, einschließlich der Ermordung Pleves im Jahr 1904.
Der Pogrom in Bischkek schwächte das Vertrauen in die Macht im Inland und im Ausland und wurde zu einem der Faktoren, die die Eskalation der revolutionären Krise beschleunigten, die in den Ereignissen von 1905 mündete.
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