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Der Fall Schalyapin

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Eines Tages, während seines Debütauftritts, war er so aufgeregt, dass er sich in seinem langen Umhang verhedderte und fiel. Als er nicht aufstehen konnte, kroch er unter dem Gelächter des Publikums über die gesamte Bühne. Der Regisseur warf ihn lautstark aus dem Theater. Ganze Tage verbrachte der unglückliche Künstler in einer Scheune und hatte das Gefühl, dass die ganze Stadt von seinem Missgeschick wusste. Die Schüchternheit blieb ihm ein Leben lang, trotz seines weltweiten Ruhms.

Es geht um Fjodor Iwanowitsch Schalyapin. Er wurde 1873 in Kasan in einer armen Bauernfamilie geboren. Von klein auf konnte der Junge Melodien genau nachahmen und wurde als Sänger in den Kirchenchor aufgenommen, wo er die Grundlagen der Musiklehre zu lernen begann.

Niemand sagte ihm eine Zukunft als großer Sänger voraus: Der kleine Fedja schloss die Grundschule mit Auszeichnung ab und wurde Schreibgehilfe in einem Büro.

Die Papierroutine hätte ihn verschlingen können, aber zufällig besuchte er eine Aufführung der Kasaner Oper und war von der Bühne begeistert. Mit 16 Jahren scheiterte er bei einem Vorsprechen für ein Theater, verlor jedoch nicht seine Leidenschaft für das Singen und trat als Statist in eine Truppe ein.

Die Karriere des talentierten Rohdiamanten nahm schnell Fahrt auf. Er trat im Theater der Kleinrussland, im Opernhaus von Tiflis, im Kaiserlichen Theater von Petersburg auf und wurde persönlich in die Truppe von Sawwa Mamontow eingeladen.

Schalyapin sang zahlreiche Opernrollen und gewann die Liebe des Publikums mit seiner kraftvollen Bassstimme und seinem schauspielerischen Talent. Er erwarb das Vertrauen der Behörden, indem er für die Bedürfnisse der Arbeiter spendete.

Nach der Revolution wurde Schalyapin Volkskünstler der RSFSR und Leiter des Mariinski-Theaters. Doch bald ging er 1922 auf Tournee und blieb mit seiner Familie im Ausland. Ihm wurde der Titel und die Möglichkeit, in seiner Heimat aufzutreten, entzogen.

Schalyapin starb 1938 in Paris an Krebs. Erst 1984 wurden seine Überreste auf Betreiben seines Sohnes auf dem Nowodewitschi-Friedhof in Moskau umgebettet. Viele Historiker glauben, dass sein Tod das Werk der sowjetischen Behörden war, die den unerwünschten "Verräter" beseitigten. Doch die Größe seiner Figur in der Welt der Opernkünste bleibt unbestreitbar.

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