"Sucht im Sommer keinen Kaufmann im Laden, keinen Apotheker in der Apotheke, keinen deutschen Meister in der Werkstatt und keinen Papierhändler in seinem Büro, sie sind alle auf der Datsche!", schrieb Faddei Bulgarin in der Zeitung "Nordische Biene". Dieser Aufsatz stammt aus dem Jahr 1837, was darauf hinweist, dass die Datschenkultur in Russland bereits seit mindestens 180 Jahren existiert. Ihre Wurzeln reichen jedoch bis in die Zeit Peters des Großen zurück. Nach dem Sieg über die Schweden schenkte der Zar seinen Vertrauten Land für den Bau von Landhäusern im europäischen Stil. Im Laufe der Zeit wurde das Wort "Datsche" speziell für das Landhaus verwendet.
Das Leben auf der Datsche war vielen zugänglich. Im Durchschnitt kostete die Miete eines solchen Hauses für drei Monate 50 Rubel, was der monatlichen Miete einer Wohnung in Petersburg entsprach. Daher strebten viele mit dem Einsetzen der warmen Tage danach, aufs Land zu fahren. Oft wählten die Leute Datschen an Orten, wo Fuhrleute anboten, sie zum "schönsten Häuschen" zu einem moderaten Preis zu bringen. In der Praxis brachten sie die Kunden oft zu sich selbst oder zu Bekannten und erhielten dafür eine Belohnung.
Man lebte manchmal bis Oktober auf der Datsche, aber das bedeutete nicht, dass man dort nur entspannte. Man musste sich um den Haushalt kümmern, kochen und aufräumen, und die Familienoberhäupter, die aus dem Vorort zur Arbeit fuhren, wurden "Datschenmänner" genannt. Diejenigen, die das ganze Jahr über auf dem Land lebten, wurden "Winterbewohner" genannt. Später erschienen spezialisierte Publikationen über das Leben auf der Datsche, die Ratschläge zur Gartenarbeit und zur Einrichtung des Hauses gaben. Zum Beispiel wurde Datschenbesitzern, die keine Möglichkeit hatten, Möbel zu transportieren, geraten, Säcke mit Heu anstelle von Sesseln zu verwenden. So sind moderne Sitzsäcke nicht so eine neue Erfindung.
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