Wie bekannt ist, haben nicht alle Mütter der Kaiser ihre Kinder gestillt. Oft wurden dafür einfache russische Bäuerinnen engagiert. Zunächst wählte man ein junges Mädchen mit guter Gesundheit und ruhigem Charakter aus. Bei der Auswahl für den Kaiserhof wurde sogar der Alkoholismus im Dorf berücksichtigt. Wenn dieser der Kommission nicht gefiel, wurde das Dorf von der Liste gestrichen. Zweitens wurde durch die Tatsache, dass gerade eine russische Bäuerin den Monarchen stillte, die Verbindung des Zaren zum Volk betont. Nach ihrer Ankunft am Hof wurde das Mädchen in ein nationales Sarafan gekleidet und erhielt eine Kokoschnik.
Die Ammen erhielten für ihre Arbeit nicht nur ein Gehalt, sondern auch eine Rente. In einigen Fällen wurde sogar eine Mitgift für die Heiratsvermittlung gesammelt. Zum Beispiel wurden 1905 für die Amme des Zarewitsch Alexei, Alexandra Negodova Romanova, Dinge und Möbel im Wert von fast 1000 Rubel gekauft. Im Laufe der Jahre verbanden sich die Bäuerinnen und ihre Schützlinge miteinander. Die Ammen hielten auch nach der Thronbesteigung der Kinder Kontakt zu ihnen. Eine rührende Geschichte über die Beziehung zwischen Alexander III. und Jekaterina Luzhnikova ist bekannt.
Sie kam zu großen Feiertagen zu ihm. Zeitgenossen erinnern sich, dass der Kaiser zu Weihnachten immer ein Geschenk für sie unter den Baum versteckte und es selbst holte, wenn Jekaterina sich nicht mehr bücken konnte. Ihre Beziehung war tatsächlich wie die zwischen Mutter und Sohn, und Luzhnikova konnte den Herrscher ohne Scheu wegen seines Alkoholismus tadeln.
Einmal, als sie ihm einen Vorwurf wegen seiner Vorliebe für Wein machte, murmelte Alexander III.: "Das geht dich nichts an!" Worauf Luzhnikova antwortete: "Ich zeige dir gleich, was dich nichts angeht!" Sie ging in das benachbarte Zimmer und kam mit einem Glas Wasser und einem Stück Kohle am Boden zurück. Alexander rief dem Lakai zu: "Schnell, bring mir ein flauschiges Handtuch, sonst ruiniert sie mir den Frack." "Einen neuen nähst du dir," antwortete die Amme und spritzte ihm, nachdem sie Wasser in den Mund genommen hatte, ins Gesicht, murmelte ein Gebet und fügte hinzu: "Jetzt kann dich nichts treffen: weder Kugel noch Dolch, noch der böse Blick."
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