Bis zur Revolution trug ein Teil der Baumanstraße zwischen der Olchowskaja und der Spartakowskaja den Namen Dewkin-Gasse und hatte einen anderen Status. Im 19. und zu Beginn des 20. Jahrhunderts befand sich hier das Anwesen der Kaufleute Karasev, die der alten Glaubensgemeinschaft in Moskau große Aufmerksamkeit schenkten. Ihr Haus war durch ein besonderes Bauwerk gekennzeichnet, dessen Zustand heute ernsthafte Bedenken aufwirft.
Seit 1872 gab es im Haus des Kaufmanns II. Gilde I.I. Karasev eine altgläubige Kirche zu Ehren der heiligen Großmärtyrerin Katharina. Zu dieser Zeit standen die Altgläubigen unter strenger Polizeiaufsicht und konnten keine eigenen Kirchen bauen, weshalb sie geheime Kirchen und Gebetsstätten errichteten. Nach der Einführung der Religionsfreiheit im Jahr 1905 erhielten die Altgläubigen das Recht, ihren Glauben frei zu bekennen und Kirchen zu bauen. I.I. Karasev entschied sich jedoch nicht für den Bau einer separaten Kirche, sondern verlegte die Kirche aus dem Herrenhaus in ein dreigeschossiges Haus im Innenhof des Anwesens. 1912 erhielt er die Genehmigung zum Anbau eines hölzernen Glockenturms, der 1915 durch einen vollwertigen Tor-Glockenturm ersetzt wurde, der nach den Plänen des Architekten N.N. Blagoweschenski erbaut wurde.
Im unteren Geschoss des Bauwerks befanden sich die Tore zum Hof von Karasev, die mittlere Ebene bestand aus drei Bögen des Glockenturms: einem großen in der Mitte und zwei kleineren an den Seiten. Oben befand sich ein weiterer kleiner Bogen mit einer Kuppel und einem Kreuz. Besonders auffällig sind die Zinnen in Form von „Schwalbenschwänzen“, die an die Kremlmauer erinnern, sowie drei achtspitzige Kreuze auf dem zentralen Glockenturm. Das Bauwerk erinnert an einen verkleinerten Glockenturm auf dem Rogoschskij-Friedhof.
Nach der Revolution wurde das Haus nationalisiert, und die Kirche wurde 1918 geschlossen. Das Herrenhaus von Karasev stand bis April 1979 leer, als es für den Bau einer Halle abgerissen wurde, und jetzt ist dieser Ort verlassen. Der Glockenturm ist erhalten geblieben, aber ohne das Haus hat er seine Stütze verloren und beginnt zu zerfallen: Die Keramik im ersten Geschoss ist verschwunden, die Kreuze sind weg, die Dachziegel zerfallen, der Putz bröckelt. Das Bauwerk sieht ungepflegt aus und ist faktisch herrenlos, trotz des Status als Objekt des kulturellen Erbes von regionaler Bedeutung. Eine Nutzung ist aufgrund des Verlusts des Kirchenraums und der Baufälligkeit nicht möglich. Das Problem muss noch gelöst werden, aber das Bauwerk benötigt dringend eine Restaurierung.
Kommentare
Noch keine Kommentare. Seien Sie der Erste.
Um einen Kommentar zu hinterlassen, mit Google anmelden.