Im Jahr 1908 baute der Kaufmann und Architekt Apollos Pravdin ein schönes Herrenhaus für seine Familie. Damals war es üblich, Immobilien auf die Frau zu registrieren, weshalb das Gebäude in Reiseführern als Haus der Pravdinas bekannt ist.
Die Fassade des Herrenhauses im Jugendstil ist mit Elementen des österreichischen „Sezessionsstils“ geschmückt: einer dreiteiligen Komposition des Eingangs im Stil von Josef Olbrich und stilisierten Darstellungen von Rosen, die an die Arbeiten des Künstlers Hans Christiansen erinnern.
Die Pravdins lebten nicht lange in diesem Haus, und 1910 kaufte es der bekannte Moskauer Kaufmann und Autorennfahrer Sergei Alexandrowitsch Kapzow. Im September 1912 nahm er an dem Rennen St. Petersburg-Moskau-Sevastopol mit einem „Mercedes 10/20 PS“ teil und gewann den Kaiserpreis für den ersten Platz in der IV. Kategorie. Neben dem Verkauf von Autos deutscher Marken organisierte Kapzow eine Werkstatt, in der er auf Fahrgestellen von „Opel“ und „Mercedes“ Karosserien eigener Herstellung montierte und diese an wohlhabende Moskauer verkaufte. Er war als Raser bekannt, und 1911 erwähnte die Zeitschrift „Automobilist“ ihn in einer Liste von Verkehrssündern wegen einer Kollision mit einer Pferdekutsche.
Sergei Alexandrowitsch, seine Frau Jekaterina Iwanowna und die Kinder Nina und Alexander lebten bis Februar 1918 in diesem Haus. Später befanden sich hier die Kreditgesellschaft und die Versicherungskasse des Moskauer Landkreises.
Die Moskauer erinnern sich, dass vor dem Haus der Pravdinas eine Episode aus dem Film „Der Ort, an dem man nicht ändern kann“ gedreht wurde, als Gleb Scheglow die Brieftasche von Kirpich aufhob.
Das Haus der Pravdinas, das letzte historische Gebäude im Gebiet Samoteki, hat lange sein ursprüngliches Aussehen bewahrt. Allerdings führte eine kürzliche umfassende Renovierung zum Verlust von Dekoren und zur Veränderung der Form des Erkers. Ein großes Dachfenster verzerrte die Silhouette des Gebäudes, und an der Giebelseite, die zur Olympischen Allee zeigt, verschwand das originale Fenster in Omega-Form und wurde durch eine neue Metalltür ersetzt. Es ist jetzt schwer zu sagen, wie viel von der ursprünglichen Ausstattung des Vestibüls erhalten geblieben ist, die in Reiseführern erwähnt wurde.
Kommentare
Noch keine Kommentare. Seien Sie der Erste.
Um einen Kommentar zu hinterlassen, mit Google anmelden.