Jetzt ist es kein Geheimnis mehr, dass der Kaiser von Deutschland, Wilhelm II, heimlich Revolutionäre in Russland finanzierte, um das Land von innen heraus zu untergraben. Lenin wollte eine Revolution, der Kaiser wollte einen Sieg an der Ostfront. Der Feind des Feindes wurde zum Verbündeten.
Berlin erkannte schnell: Es ist einfacher, das zaristische Imperium von innen zu Fall zu bringen, als seine Armeen an der Front zu besiegen. Revolutionäre, Nationalisten, Separatisten verschiedener Couleur standen Schlange nach deutschen Mark. Allein das Außenministerium hatte bis Ende 1917 mindestens 26 Millionen Mark ausgegeben, was etwa 75 Millionen Euro in heutigen Preisen entspricht.
Der Hauptvermittler wurde Alexander Gelfand, auch bekannt als „Parvus“. Ehemaliger Gefährte von Trotzki, Händler, Abenteurer und brillanter Organisator. Im Februar 1915 übergab er dem deutschen Außenministerium einen 23-seitigen Plan zum Sturz des Zaren: Massenstreiks, Sabotage an Eisenbahnen, Agitation unter nationalen Minderheiten, Bestechung der richtigen Personen. Berlin nahm den Plan an und stellte Geld, Sprengstoff und einen diplomatischen Pass zur Verfügung.
Als im Februar 1917 der Zar fiel, war Lenin im Schweizer Exil gefangen. Deutschland löste das Problem: Es ließ ihn mit einer Gruppe von Gefolgsleuten in einem versiegelten Wagen durch sein Territorium reisen. „Lenins Eintritt in Russland war erfolgreich“, telegrammierte der Leiter der deutschen Geheimdienste in Stockholm nach Berlin. Sieben Monate später übernahmen die Bolschewiki die Macht, und Russland trat aus dem Krieg aus, wobei es Deutschland riesige Gebiete im Osten überließ.
Wilhelm träumte sogar von einem Bündnis gegen den Westen. Beide verstanden jedoch gut: Auf lange Sicht wünscht sich jeder für den anderen die Galgen. Was sich im November 1918 bestätigte, als deutsche Diplomaten die sowjetische Botschaft nach einem Skandal mit revolutionären Flugblättern aus Berlin auswiesen, während Deutschland selbst in die Revolution stürzte, die Lenin fleißig unterstützte.
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