Nikolai Nikolaevich Kupreyanov (1894, 1933), eine der eindringlichsten Figuren der russischen Grafik des frühen 20. Jahrhunderts. Als Adliger geboren, studierte er bei Anna Ostroumova-Lebedeva, Dmitri Kardovsky und Kuzma Petrov-Vodkin und nahm sowohl die Petersburger Schule der Grafik als auch die strenge Disziplin des Zeichnens auf.
Kupreyanov begann mit der Holzschnitttechnik, seine frühen Arbeiten der 1910er Jahre sind geprägt von dem Einfluss des „Welt der Kunst“ und futuristischen Suchbewegungen. Die Drucke zu „Militärischen Lublins“, Buchillustrationen und Vignetten brachten ihm noch vor der Revolution einen Namen ein. Doch die wahre Wende in seiner Kunst vollzog sich durch das Zeichnen nach der Natur.
In den 1920er Jahren legte Kupreyanov das Schnitzwerkzeug zugunsten von Bleistift, Pinsel und Feder nieder. Er zeichnete alles, was er sah: Moskauer Straßen, Herden am Wasser, Pferde, das bäuerliche Leben, das Meer und Schiffe. Seine berühmten Serien, „Transport“, Zeichnungen aus der Krim und besonders die Blätter, die an der Wolga und im Dorf entstanden, sind der höchste Ausdruck reiner Zeichnung. Mit wenigen sparsamen Linien und einem Fleck verdünnter Tinte verstand er es, Bewegung, Licht und feuchte Luft einzufangen. Zeitgenossen bezeichneten ihn als geborenen Zeichner, und er führte Tagebücher, die zu einem wichtigen Denkmal der Epoche wurden.
Kupreyanov unterrichtete an der VKhUTEMAS-VKhUTEIN und bildete eine ganze Generation von Künstlern aus. Seine Ästhetik ist eine Verbindung von scharfer Beobachtung mit fast östlicher Lakonie, wo die Leere des Blattes gleichwertig mit der Linie wirkt.
Das Leben endete tragisch und absurd: 1933 ertrank der Künstler beim Baden. Er war erst 38 Jahre alt. Sein Erbe, das heute von der Tretjakow-Galerie und dem Russischen Museum bewahrt wird, sind Zeichnungen, in denen die sowjetische Grafik eine seltene poetische Freiheit erreichte.
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