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Chagalls Glasfenster in der Fraumünster Kirche

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Zur Eröffnung einer neuen Ausstellung im Kunsthaus Zürich mit dem Titel „Chagall, Meister des Modernen“ wird die Geschichte von Marc Chagall (1887, 1985) präsentiert.

Wie würde die Fraumünster Kirche heute ohne die von Chagall geschaffenen Glasfenster aussehen? Sie wäre eine von vielen ehemaligen Klosterkirchen, die verschiedene Epochen in der Geschichte der Gesellschaft, des Landes und der Stadt widerspiegeln. Vielleicht würden nur der schöne spitze Turm und die zentrale Lage die Aufmerksamkeit auf sich ziehen und dazu einladen, das Innere zu betreten. Doch am 13. September 1967, in Anwesenheit von Vertretern des Kirchenvorstands, der Stadtverwaltung, Künstlern und Historikern, besuchte Chagall die Fraumünster Kirche, um den Auftrag zu bewerten, den ihm Zürich angeboten hatte.

„Diese Fenster beeindrucken mich mit ihrer Höhe und Breite. Ich habe noch nie mit so ungewöhnlichen Größen und Proportionen gearbeitet... Wie kann ich die gesamte Komposition in diesen fünf schmalen Fenstern unterbringen, sodass jedes von ihnen ‚lebendig‘ wird?“, dachte er laut nach.

Ein ganzes Jahr lang wurde Chagall überredet, und ein ganzes Jahr lang dachte er nach. Bei seinem zweiten Besuch entschied sich Marc Chagall, das Projekt zur Schaffung der Glasfenster für die Chöre der Fraumünster Kirche in Angriff zu nehmen.

Bereits 1956 begann der Künstler, seine Idee, später von Kunsthistorikern als „Chagalls Bibel“ bezeichnet, in einem neuen Material, Glas, umzusetzen. „Glasfenster erscheinen als sehr einfache Sache: Das Material ist das Licht selbst...“, sagte Chagall. Das Spiel des Lichts mit dem farbigen Glas faszinierte ihn so sehr, dass er fast bis zu seinem Lebensende in diesem Genre arbeitete. Chagalls Glasfenster schmückten die Fenster der Kathedrale Notre-Dame in Paris, einer katholischen Kirche in Metz und der Synagoge des medizinischen Zentrums in Jerusalem. Die feierliche Eröffnung der Glasfenster in Zürich fand im September 1970 statt, als Chagall 83 Jahre alt war.

Die Geschichte Jesu auf grünem Hintergrund, der Geburt, Wachstum, Bewegung, Leben und Ewigkeit symbolisiert. Die Geschichte Christi, umgeben von alttestamentlichen Motiven: Friedensstifter und Vorboten der Weltveränderung gegenüber dem Messias; die heilige goldene Stadt, die vom Himmel herabkam, und eine Treppe, die in den Himmel führt. Und einäugige, gehörlose Wesen: entweder Witebsker Kühe, oder Kampfrosse von Armageddon, oder Esel, auf einem von denen der Prophet aus Nazareth nach Jerusalem ritt, oder die Lämmer Gottes, die wie kleine Schafe aussehen. All dies sind Chagalls Glasfenster in der Fraumünster Kirche.

Im Jahr 1978 schafft der neunzigjährige Meister an der dunklen Südwand des Querschiffs ein neues Meisterwerk: ein rundes Fenster mit einem Durchmesser von 2,7 Metern. „Das kostbare, einzige Wort, das zu diesem Fenster passt“, schreibt die Kunsthistorikerin I. Vogelzanger de Roche in ihrem Buch „Chagalls Fenster in Zürich“.

Das Fenster von Chagall, wie auch seine anderen Glasfenster, erklärt sich vor allem durch die Farbe. In diesem Fenster dominiert die blaue Farbe, die die gesamte musikalische Skala der Palette des Künstlers umfasst, von schweren, tiefen Tönen bis hin zu leichten, klingenden Nuancen. Es offenbart alle psychologischen Zustände des Menschen: von tragischen, düsteren, stürmischen bis hin zu hellen, himmlischen. Blau war Chagalls Lieblingsfarbe. Er lebte, atmete und schuf damit. „Die Schöpfung“, das ist das Thema des Fensters in der Fraumünster Kirche. Aber es ist nicht nur eine Illustration eines biblischen Themas aus „Genesis“ und keine wissenschaftliche Darstellung der Entstehung der Welt. Es sind Chagalls Visionen, ein besonderer Hymnus an den Schöpfer, das Werk des Schöpfers.

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