Nach der Schließung der Uspenski- und der Fürst-Wladimir-Kathedrale übernahm die Schutzmantel-Kathedrale, die im nördlichen Teil der Stadt am Fluss Kutum liegt, die Rolle des Haupttempels von Astrakhan. Im 19. Jahrhundert galt dieses Gebiet als abgelegene Peripherie, in der staatliche Bauern lebten, die gezwungen waren, auf den Salzwiesen der Boldinschen Steppe zu wirtschaften. Die vollständige Erschließung und Bebauung des Gebiets begann erst nach dem verheerenden Brand von 1858, als der Zakutum-Teil der Stadt neu aufgebaut werden musste. Hierher wurden zahlreiche Fassmacher, Wagenbauer und Schmiede umgesiedelt. Die alten Tempel wurden für die wachsende lokale Bevölkerung zu klein, und es wurde klar, dass im Zentrum von Selene, wie dieses Gebiet damals genannt wurde, eine neue große Kirche benötigt wurde. Der Initiator des Baus der Kathedrale war der bekannte astrakhanische Kaufmann Ivan Ivanovich Gubin, der einen Großteil der Kosten von fast 95.000 Rubel übernahm. Als Dank für seinen Beitrag und seine Hilfe bei der Verschönerung der Kirche wurde Gubin lebenslang zum Kirchenältesten gewählt.
Die Kirche aus rotem Ziegel ist im eklektischen Stil mit origineller Architektur und subtilen östlichen Motiven gestaltet, was ihr einen lokalen Charakter verleiht. Die große, figürliche Kuppel des Lichttrommels ist heute vergoldet, was dem modernen Geschmack entspricht, während sie früher grau war und harmonisch mit dem roten Ziegel des Gebäudes kombiniert wurde. Der facettierte Turm der Glockenstube, der nach der Restaurierung aus unerklärlichen Gründen blau wurde, harmoniert nicht mit der vergoldeten Spitze der Kathedrale. Man hätte vorsichtiger bei der Farbwahl sein sollen. Diese äußeren Erneuerungen wurden an der Schutzmantel-Kathedrale zum 450-jährigen Jubiläum der Stadt vorgenommen, und die Rekonstruktion hatte eher kosmetischen Charakter.
Die Schutzmantel-Kathedrale hatte mehr Glück als viele andere astrakhanische Tempel. Sie wurde nicht von den Erneuerern besetzt, hier diente und wurde der Erzbischof Philipp Stawitzki beigesetzt, ein bekannter Kämpfer gegen den Erneuerungsbewegung, der in der Sowjetzeit nicht vor Gefängnissen und Verbannungen verschont blieb. Der Tempel wurde 1941 nur für 9 Monate geschlossen, wobei die innere Ausstattung unberührt blieb: Die Wandmalereien, der Ikonostase, die Reliquien, das alte Bildnis der Schutzmantel der Heiligen Jungfrau und der Reliquienbehälter mit einem Stück des Ehrwürdigen Kreuzes des Herrn blieben erhalten. In dieser Zeit wurde das Gebäude als Zuckerspeicher genutzt. 1942 ertönten im Tempel erneut Gebete.
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