Das Gebäude Nummer 11 in der Rossolimo-Straße in Moskau zieht mit seiner vorrevolutionären Architektur Aufmerksamkeit auf sich, aber sein wahres Wert liegt woanders. Hier waren und wurden herausragende Persönlichkeiten der Kultur und Kunst behandelt, wie Sergej Jessenin, Dmitri Pjatnizki, die Bildhauerin Anna Golubkina, der Maler Michail Wrubel und der Schachweltmeister Wilhelm Steinitz. Die Geschichte der Klinik beginnt mit einer Tragödie: Der Ehemann der Kaufmannswitwe Warwara Morozowa litt an einer schweren Nervenkrankheit. Warwara, unterstützt von dem Arzt Sergej Korsakow, kümmerte sich bis zu seinem Tod um ihn. Der Verlust ihres Mannes war für sie ein großer Schlag, und sie beschloss, erhebliche Mittel für die Schaffung der besten psychiatrischen Klinik in Moskau bereitzustellen.
Warwara Morozowa investierte 400.000 Rubel in das Projekt, was zu jener Zeit eine enorme Summe war. Es wurden nicht nur Behandlungsgebäude errichtet, sondern auch ein Garten angelegt, Bettwäsche, Möbel, medizinische Instrumente, Geschirr und vieles mehr gekauft. Die Zimmer wurden so komfortabel wie möglich für die Patienten gestaltet. Direktor der Klinik wurde Sergej Korsakow, der ein neues Behandlungssystem einführte, das auf der "Unbeschränkung" der Patienten basierte. In der Klinik wurden keine Zwangsjacken und Kerker verwendet. Korsakow hielt es für wichtig, die Patienten durch Kreativität von ihren Krankheiten abzulenken: Sie konnten malen, Geschichten schreiben und Theaterstücke aufführen. Einmal wurde sogar Leo Tolstoi zu einer Vorstellung der Patienten eingeladen.
In der Klinik gab es auch andere Unterhaltungsmöglichkeiten. Als Wilhelm Steinitz behandelt wurde, wurden Schachspiele unter den Patienten sehr beliebt. Bekannte Persönlichkeiten trugen ebenfalls zur kreativen Atmosphäre der Klinik bei. Die Bildhauerin Anna Golubkina, die unter Einsamkeit litt, organisierte einen Bildhauer-Kreis, während Michail Wrubel Porträts der Mitarbeiter malte, die heute in der Tretjakow-Galerie aufbewahrt werden. Im Dezember 1925 wurde hier Sergej Jessenin behandelt, nach einigen Angaben wegen Depressionen, nach anderen wegen Alkoholismus. Leider brachte die Behandlung nicht die erhofften Ergebnisse, und kurz nach seiner Entlassung nahm er sich im Hotel "Angleterre" das Leben.
Kommentare
Noch keine Kommentare. Seien Sie der Erste.
Um einen Kommentar zu hinterlassen, mit Google anmelden.