Im 17. und 18. Jahrhundert war unter Reisenden das Sprichwort beliebt: Je weiter man nach Norden in Jakutien kommt, desto häufiger hört man die russische Sprache. Das ist nicht verwunderlich, denn bereits 1638, während der Erschließung Sibiriens, ließen sich hier Kosaken und Pomoren nieder. So entstand das Dorf Russisches Ustje am Fluss Indigirka. Aufgrund der Unmöglichkeit, in den Bedingungen des Permafrostes Landwirtschaft zu betreiben, wechselten die Siedler zur Jagd und Fischerei. Sie lernten viel von der einheimischen Bevölkerung, brachten aber auch viele Neuerungen in die nordische Lebensweise ein. Zum Beispiel verwendeten die Russen bei der Jagd auf wilde Rentiere List, indem sie die Herde mit Hilfe von Hunden ins Wasser trieben, und sie legten Hinterhalte auf für die Linngänse. Sie lehrten auch die Jakuten, Netze und Fänge aus Pferdehaaren zu flechten, Körbe aus Weidenruten zu machen und sogar Balalaikas herzustellen.
Russisches Ustje wurde von Anfang an zum Ausgangspunkt für viele russische Entdecker und polarische Seefahrer. Von hier aus begann die Seereise von Semjon Deschnjow, der die Meerenge zwischen Asien und Amerika entdeckte. Aufgrund der langen Isolation von Zentralrussland hat sich hier ein einzigartiger Dialekt erhalten. Zum Beispiel sagt man statt "Klatschmaul" "Basnik", statt "Müll" "Gad". "Wesnus" bedeutet "letzten Frühling", "zaglunka" "Lächeln", und der Satz "etwas hebt meine Seele" bedeutet, dass jemand übel ist.
Die lokale Kultur hatte ebenfalls einen erheblichen Einfluss, und unter den Russkoustinen wird Schamanismus hoch geschätzt. Es gab Rituale wie das Füttern von Feuer und Wasser, die Zerstörung von Gegenständen des Verstorbenen während der Beerdigung. Heute werden die russischen Ureinwohner als eine kleine indigene Bevölkerung Jakutiens anerkannt, da sie neben einzigartigen sozialen und kulturellen Merkmalen traditionelle Lebensweisen wie Jagd und Sammeln bewahren. Diese Lebensweise existiert bereits seit fast vier Jahrhunderten.
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