Die lange Sadownitscheskaja Straße ist voller unerwarteter Entdeckungen. Hinter dem Kriegs-Kommissariat, im Hof eines gewöhnlichen Wohnhauses, das 1898 erbaut wurde (Nr. 55), verbergen sich mittelalterliche Kammern (Haus Nr. 55, Gebäude 2). Am bequemsten erreicht man sie von der Kosmodamianskaja-Naberegnaja.
Laut den Zensusbüchern der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts gehörte dieses Anwesen dem Kaufmann Grigori Babkin. Im hinteren Teil seines Hofes befanden sich steinerne Kammern aus dem 17. Jahrhundert, die bis heute erhalten geblieben sind.
Grigori Babkin (1687, 1769) war ein Moskauer Kaufmann 1. Gilde und Besitzer einer Tuchfabrik. Die Familie Babkin spielte lange Zeit eine wichtige Rolle in der Entwicklung der Tuchproduktion in der Moskauer Region.
Der Hauptteil des Gebäudes, ein Wohnhaus aus der dritten Viertel des 17. Jahrhunderts mit der für diese Zeit typischen Struktur: Vorraum und zwei gewölbte Kammern auf beiden Seiten. Hier ist der untere Teil des Roten Treppenhauses erhalten geblieben, das einst zur Straße hin ausgerichtet war. Ende des 17. Jahrhunderts wurde von Osten ein neuer Anbau an das Haus angeschlossen: Vorraum und drei Kammern mit Gewölben. In der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts wurde an die Westfassade ein weiterer Anbau mit Gewölben im Erdgeschoss hinzugefügt. So entstand ein Gebäude, das aus drei Teilen besteht, von denen jeder einen erheblichen historischen und kulturellen Wert hat.
Im Jahr 1803 gehörten die Kammern der Kaufmannswitwe Natalja Lukina und hatten bereits die moderne Konfiguration und das Volumen. Doch in den 1870er Jahren baute der neue Besitzer, Kaufmann Jeremejew, trotz Verbots einen hölzernen Mezzanin mit Giebel über dem mittleren Teil des Gebäudes auf, wofür er von den Stadtbehörden bestraft wurde.
Man zwang ihn nicht, den Anbau abzureißen, und er stand ein ganzes Jahrhundert lang, bis zur wissenschaftlichen Restaurierung der Kammern vor der Olympiade 80.
Es ist schwer zu glauben, dass das vor einem halben Jahrhundert ein gewöhnlich aussehendes zweigeschossiges Wohnhaus mit Dachboden war. Viele Fenster waren zugemauert, die Fensterrahmen abgeschliffen. Doch in den 1970er Jahren führte die Werkstatt Nr. 13 von „Mosprojekt-2“ unter der Leitung von E.V. Trubetskoy Forschungen und Arbeiten zur Wiederherstellung der Dekoration des 17. Jahrhunderts am mittleren, ältesten Teil des Gebäudes durch. An der Fassade wurden die gemusterten Fensterrahmen, die Eckkolonnen und die Gesimse wiederhergestellt, und im Inneren wurde teilweise die alte Raumaufteilung der Kammern zurückgebracht. In einem der Räume ist barocke Stuckarbeit aus der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts erhalten geblieben.
Die Kammern sind ein Objekt des kulturellen Erbes von föderaler Bedeutung. Heute wird das Gebäude als Büro genutzt.
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