Koronationen in Kathedralen und Hinrichtungen auf Plätzen sind schwerer vorstellbar als die Ereignisse, die in einer gewöhnlicheren Umgebung stattfanden. In einem normalen Münchener Haus in der Kraitmairstraße 7, am Mittag des 15. Oktober 1959, tötete der KGB-Agent Bohdan Stashynsky Stepan Bandera, indem er ihn mit einer mit Gift geladenen Pistole erschoss.
Der Agent schoss dem Opfer ins Gesicht, direkt im Erdgeschoss neben den Briefkästen. Alles geschah leise, und Stashynsky verschwand schnell in der Menge. Die Nachbarn wurden durch den Schrei Banderas aufmerksam, der, vergiftet mit Cyanid, auf die Stufen fiel und sich den Kopf verletzte.
Die Todesursache Banderas wurde damals nicht festgestellt, und alles wurde erst drei Jahre später bekannt, als Stashynsky aus der UdSSR in den Westen floh. Während er versuchte, sich vor dem KGB in einem deutschen Gefängnis zu verstecken, überzeugte er lange den westdeutschen Gerichtshof von seiner, scheinbar unglaublichen Geschichte über Spione, die ukrainische Untergrundbewegung, den ehemaligen Führer und die vergiftete Pistole. All dies ist schwer vorstellbar auf einer gewöhnlichen Treppe bei den Briefkästen. Dennoch kann man nicht sagen, dass an diesem Ort etwas Epokales geschah. Es war bereits 1959, und der Ermordete war eher eine Legende als ein aktiver Führer. Aber etwas an diesem Ort ruft dennoch ein besonderes Gefühl hervor.
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