Bis 1977 trug diese Stadt den Namen Marburg an der Lahn. Die Endung wurde lange nicht entfernt, um sie von einem anderen Marburg an der Drau zu unterscheiden. Dieser Ort ist eine der ältesten Städte Europas und wurde bereits im 13. Jahrhundert gegründet. Während des Zweiten Weltkriegs blieb Marburg von totalen Bombardierungen verschont, weshalb wir virtuell durch seine Straßen schlendern und sehen können, wo unsere berühmten Landsleute Lomonossow und Pasternak verweilten.
Der junge Michail Wassiljewitsch wurde von der Akademie der Wissenschaften zum Studium an die Universität Marburg geschickt. Mit ihm reiste auch der zukünftige Begründer der Porzellanproduktion in Russland, Dmitri Winogradow, nach Deutschland. Sie kamen verspätet an, und zu diesem Zeitpunkt hatten alle mehr oder weniger komfortablen Unterkünfte bereits Studenten aus anderen Städten gemietet. Sie mussten ein Zimmer bei der Frau des örtlichen Bierbrauers mieten (heutige Adresse Wendelsgasse 2), aber immerhin nur 10 Minuten zu Fuß von der Universität entfernt. Dort waren sie jedoch selten, da der Großteil des Unterrichts in Physik, Mechanik und Geometrie in der Wohnung des Dozenten Wolf stattfand. In ihrem Studium zeigten beide respektable Ergebnisse.
In ihrer Freizeit amüsierten sie sich, als wäre es das letzte Mal! Ihr Mentor Christian Wolf war erstaunt, wie Lomonossow und Winogradow ihr ganzes Stipendium an einem Abend ausgaben. Mehrmals musste er sogar aus eigener Tasche die Miete für ihre Unterkunft bezahlen. Nach und nach gewöhnten sich beide an das Leben in Deutschland, begannen, sich im lokalen Stil zu kleiden, und Lomonossow, der das Aussehen eines europäischen Studenten annahm, engagierte Tanz- und Fechtlehrer. 1739 ging das Studium zu Ende, und es war Zeit zu gehen, was beiden nicht recht war. Außerdem hatte Lomonossow während seines Studiums es geschafft, die Tochter der Vermieterin zu heiraten.
150 Jahre später trat Boris Pasternak vor die Tür der Universität Marburg. Er kam hierher, um Kurse in Ethik und Logik zu hören. Im Gegensatz zu Lomonossow hinterließ die Stadt einen zwiespältigen Eindruck bei ihm. Pasternak bewunderte sie manchmal als Stadt der Zukunft, nannte Marburg dann aber spöttisch ein Dorf, wo „die Füße im Tau stehen und abends die Frösche quaken“, und betrachtete sie schließlich als „mittelalterliches Märchen“. Dennoch hinterließ die alte deutsche Stadt die hellsten Eindrücke.
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