Das bekannteste Werk der Kassler Meister ist der Pavillon, der für die Weltausstellung in Paris im Jahr 1900 geschaffen wurde. Er öffnete der europäischen Öffentlichkeit das kasslische Gießen und brachte ihm Ruhm.
Die Geschichte des Pavillons ist nicht weniger faszinierend: In mehr als hundert Jahren erlebte er Triumphe, die Bedrohung der Zerstörung, das Vergessen und dann eine wunderbare Rettung und Wiederherstellung.
Wenn man die Muster und Verzierungen des Pavillons betrachtet, ist es schwer zu glauben, dass all dies aus einem so groben Material wie Gusseisen gefertigt wurde.
Der Pavillon besteht aus mehr als tausendfünfhundert einzigartigen Gusseisenteilen und skulpturalen Kompositionen, sein Gewicht beträgt etwa 20 Tonnen.
In den Reliefs sind alte slawische, nordische und byzantinische Motive und Bilder zu sehen: Drachen, Frauen-Vögel, magische Blumen, exotische Fische und Tiere, die organisch zu einem Ganzen verbunden sind.
Das Projekt des Pavillons wurde vom talentierten Petersburger Architekten Jewgeni Baumgarten entworfen. An der Arbeit am Projekt beteiligte sich Maria Dillon, die erste professionelle Bildhauerin in Russland. Die besten Kassler Meister setzten das Projekt in die Tat um.
Der Prozess der Schaffung des Meisterwerks dauerte fast ein Jahr. Die Arbeit war mühsam: Zuerst wurden die Zeichnungen auf Holz übertragen und bearbeitet, dann wurden aus den Holzmodellen Bronzeformen erstellt, die sorgfältig geprägt wurden, und schließlich wurde das Gusseisen in diese gegossen. Die letzten Feinheiten wurden von den Prägemachern aufgetragen.
Auf der Ausstellung sorgte der Kassler Pavillon für Furore. Die Besucher waren begeistert von der filigranen Eleganz des Pavillons und den kunstvollen Erzeugnissen im Inneren. Der Standort des Pavillons war äußerst günstig gewählt, er war von überall sichtbar, und das Licht drang durch die eleganten Öffnungen in der Gestaltung.
Das Talent der Kassler Meister wurde hoch geschätzt: Der Pavillon erhielt die höchste Auszeichnung in der Kategorie „Metallwaren“, den Kristall-Großen Preis und eine große Goldmedaille. Es war ein wahrer Triumph des kasslischen Gießens.
Nach der Revolution, im Jahr 1921, ordnete der Direktor des Kassler Werks N. F. Sacharow an, das einzigartige Kunstwerk zur Herstellung von Serienprodukten umzuschmelzen. Doch die Kassler Meister ließen nicht zu, dass das Meisterwerk vollständig zerstört wurde, und die überlebenden Teile wurden nach Jekaterinburg geschickt.
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