In den "Aufzeichnungen über Moskau" erwähnt der Diplomat des Heiligen Römischen Reiches Sigismund von Herberstein: "Nicht weit von der Festung steht ein großes Haus, umgeben von Mauern, das als Hof der Kaufherren bezeichnet wird, wo die Kaufleute leben und ihre Waren lagern." Dies ist die erste bekannte Erwähnung des berühmten Moskauer Kaufmannshofs, der bereits im 15. Jahrhundert zum Handelszentrum der Hauptstadt wurde. Der Komplex war von hohen weißen Mauern mit Toren umgeben, über denen ein achteckiger Turm mit einem riesigen vergoldeten Adler emporragte. Unter Zar Alexei Michailowitsch befand sich hier auch der Botschaftsbefehl, wo Diplomaten wichtige Staatsangelegenheiten regelten.
Der Kaufmannshof wurde jedoch lange Zeit nicht renoviert. Alles änderte sich im Jahr 1786, als das Gebäude aufgrund anhaltender Regenfälle einstürzte. Dies war ein schwerwiegendes Ereignis, bei dem 15 Läden zerstört wurden und zwei Kaufleute unter den Trümmern begraben wurden. Das Projekt des neuen Komplexes wurde vom bekannten Architekten Giacomo Quarenghi entworfen. Bei der Konstruktion wurden die Besonderheiten der Moskauer Straßen berücksichtigt: Die Ecken des Kaufmannshofs wurden abgerundet, damit es für Passanten einfacher war, sich durch die engen Gassen des China-Stadtviertels zu bewegen. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts gab es hier mehr als 700 Läden, Scheunen und Geschäfte, in denen man alles kaufen konnte, von Gänsefedern bis zu exotischen Früchten.
Mit diesem Ort ist eine interessante städtische Legende verbunden. Eines Abends ging ein Kaufmann am Kaufmannshof vorbei, als er auf einen Händler traf, der ihm hartnäckig die Reste von Rosinen mit Rabatt anbot. Der Kaufmann lehnte ab, aber später, zu Hause, kam ihm die Idee, die Restbestände an bestimmten Tagen zu reduzierten Preisen zu verkaufen. So entstand in Russland das Pendant zu den "Black Fridays".
Der Handel im Kaufmannshof wurde während der sowjetischen Zeit endgültig eingestellt. Während des Zweiten Weltkriegs wurden die Flächen als vorübergehender Luftschutzraum genutzt. Die Rekonstruktion des alten Komplexes begann erst 1996. Interessanterweise entdeckten Archäologen bei der Untersuchung des Hofes einen Schatz, der silberne Münzen und westeuropäische Taler umfasste.
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