Das Projekt eines monumentalen Denkmals, das dem III. Internationalen gewidmet ist, wurde ursprünglich als Tatlin-Turm bezeichnet. Tatlin plante, den Bau in Leningrad zu beginnen, um ihn mit dem Sieg der Oktoberrevolution von 1917 zu verbinden. Das Bauwerk sollte die Vereinigung der Menschheit symbolisieren, die nach der Zerstörung des Turms von Babel getrennt war. 1924 wurde das Projekt mit einer Goldmedaille auf der Internationalen Ausstellung für moderne dekorative und industrielle Kunst in Paris ausgezeichnet.
Das Projekt des Turms umfasste drei geometrische Strukturen, die sich um ihre Achse drehten. An der Basis befand sich ein Würfel, der die legislative Gewalt symbolisierte, in dem Sitzungen und Konferenzen stattfinden sollten. Der zentrale Teil in Form einer Pyramide verkörperte die Exekutive. An der Spitze, im Zylinder und Halbkugel, befand sich die „Informationsgewalt“. Radiomasten und Antennen waren Teil des Denkmals, ebenso wie Scheinwerfer, die Texte auf die Wolken projizierten. Der tragende Mast war auf den Polarstern ausgerichtet.
Auch andere Elemente des Bauwerks trugen Symbolik. Die Neigung des Turms entsprach der Neigung der Erdachse, und die rotierenden Konstruktionen standen im Zusammenhang mit der Rotation des Planeten. Die Höhe des Turms von 400 Metern war ein Vielfaches des Erdmeridians (1:100.000), und die spiralförmige Gestalt symbolisierte die Bewegung der befreiten Menschheit.
Die Konstruktion des Turms mit doppelter Spirale und schrägem Mast war ihrer Zeit weit voraus. Die rotierenden Elemente wurden zum Traum von Architekten, der erst 80 Jahre später im Projekt des Hauses Suite Vollard in Curitiba, Brasilien, verwirklicht wurde.
Doch Ende der 1920er Jahre änderte sich die Haltung der Behörden gegenüber dem Konstruktivismus, und das Gebäude wurde nie gebaut. Der Tatlin-Turm blieb eine Utopie und ging nicht als Symbol des Kommunismus, sondern als Symbol des Konstruktivismus und Inspirationsquelle für viele Architekten des 20. Jahrhunderts und der Gegenwart in die Geschichte ein.
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