Die Kaufmannsresidenz in der Moskauer Straße 94 wurde zu Beginn des 20. Jahrhunderts erbaut. Im zweiten Stock lebte die Eigentümerin des Hauses, Elisabeth Mjasnikowa, während das Erdgeschoss, wie damals üblich, an Unternehmer vermietet wurde. Im rechten Teil des Gebäudes befand sich die Apotheke von Rudolf Dumpf. Trotz der engen Spezialisierung bot der Apotheker nicht nur Tabletten, Seren und Pulver an. In seinem Sortiment fanden sich auch ungewöhnliche Produkte für eine Apotheke, wie chemische Reagenzien für die Fotografie, Elektroartikel, Benzin sowie Kosmetik und Parfüm. Besonders beliebt bei Dumpf waren Parfüm und Seife, die wie heiße Semmeln verkauft wurden. Besonders gefragt war sein 'Birkenbalsam', der laut Werbung in der lokalen Presse 'zum Waschen von Haut, Gesicht und Händen' verwendet wird und Substanzen enthält, die die Haut nicht beeinflussen. Der Preis dieses Mittels betrug 1 Rubel 65 Kopeken, was durchaus erschwinglich war. Auch Lippenstifte in verschiedenen Farbtönen und ausländische kühlende Gesichtscremes waren im Angebot, die deutlich teurer waren als der 'Birkenbalsam'. Darüber hinaus konnte man bei Herrn Dumpf zu Feiertagen 'duftende Fladen für Wodka' erwerben, deren Natur schwer zu verstehen ist, aber wahrscheinlich handelte es sich um einen ungewöhnlichen Snack.
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