Pavlova zeigte stets Interesse an nationalen Tänzen und strebte danach, so viel wie möglich darüber zu erfahren. Doch in Indien blieben ihre Versuche erfolglos: Auf alle Fragen erhielt sie eine Antwort, der indische klassische Tanz sei verschwunden.
Dennoch hatte sie vor ihrer Abreise aus Indien das Glück, eine indische Hochzeitszeremonie zu sehen. Inspiriert von diesem Anblick beschloss Pavlova, dass es Teil ihres Repertoires in theatralischer Form werden sollte.
Das zukünftige Ballettstück erhielt den Titel "Indische Hochzeit". Die Arbeit daran begann bald nach Pavlovas Rückkehr nach London. Vor ihr stand die schwierige Aufgabe, einen Tanz zu schaffen, der den Geist und die Traditionen Indiens widerspiegelt, sowie traditionelle Kostüme, Dekorationen und musikalische Begleitung vorzubereiten.
Für das Eintauchen in das Thema wurden die Londoner Museen genutzt. Details der Hochzeitszeremonie und Kostüme wurden im Victoria and Albert Museum recherchiert, während Drucke mit indischen Landschaften für die Dekoration im British Museum ausgewählt wurden.
Die schwierigste Aufgabe war die Musikauswahl. Doch auch hier hatte Pavlova Glück: Sie lernte die Komponistin und Interpretin indischer Melodien Komolata Bannerji kennen, deren Auftritte in London mit der Arbeit an dem Stück zusammenfielen. Auf Pavlovas Bitte wählte Bannerji nicht nur die Melodie für "Hochzeit" aus, sondern empfahl auch den jungen indischen Tänzer Uday Shankar.
Shankars Teilnahme verlieh dem Projekt neue Impulse und Farben. Er übernahm die Choreografie nicht nur für "Hochzeit", sondern auch für ein anderes Ballett mit indischem Thema, "Krishna und Radha". Er brachte auch Ideen für die Bühnenkostüme aus echten indischen Stoffen ein und wurde Pavlovas Partner in beiden Stücken. Dies war der Beginn seiner erfolgreichen künstlerischen Karriere.
Ein weiteres Stück mit indischem Kolorit waren die "Fresken von Ajanta", die nach dem Besuch des gleichnamigen Höhlenkomplexes entstanden.
Pavlova gestand, dass es ihr Freude bereitet, indische Tänze zu tanzen. In Indien hatten ihre Experimente Erfolg, während die Reaktion in Europa zurückhaltender war. Dennoch blieb das Ballett "Krishna und Radha" bis zu ihrem Tod im Repertoire von Pavlovas Truppe.
Kommentare
Noch keine Kommentare. Seien Sie der Erste.
Um einen Kommentar zu hinterlassen, mit Google anmelden.