Kaufleute und Adelige des Russischen Kaiserreichs zogen es oft vor, nicht im Ausland, sondern in ihren Residenzen im Heimatland zu entspannen. Für einen komfortablen Aufenthalt errichteten sie beeindruckende architektonische Bauwerke. Besonders bemerkenswert ist die Datscha des Fabrikanten Peter Fjodorowitsch Sewrjugow in Kineschma, Region Ivanowo. In diesem Gebäude vereinen sich auf wunderbare Weise Jugendstil und Neoklassizismus. Das Haus steht seitlich zur Wolga-Bucht, und einst führte eine elegante Treppe zur örtlichen Anlegestelle, die jetzt fast zerstört ist.
Das Haus empfängt die Gäste mit einer massiven halbrunden Loggia, und rechts ist ein Türmchen mit einer Wendeltreppe zu sehen, von wo aus man einen atemberaubenden Blick auf die Weiten der Wolga hatte. Im westlichen Teil des Gebäudes befand sich ein Gewächshaus mit exotischen Pflanzen. Durch die Wirtschaftsräume konnte man in den Keller gelangen, wo sich der Weinkeller und die Heizanlage befanden. Das Hauptleben spielte sich im ersten Stock ab. Der Salon, der entlang der Hauptfassade lag, war durch einen hohen Durchgang mit Säulen in zwei Teile unterteilt. Ende des 20. Jahrhunderts waren im Saal noch Spiegel in Rahmen aus Mahagoni und Teile der malerischen Decke „Jagdszenen“ erhalten. Im zweiten Stock befanden sich die Schlafzimmer. Interessant ist, dass die Treppen und Fensterbänke aus Marmor gefertigt waren, während die Fenster und Türen mit bronzenen Beschlägen verziert waren.
Laut verschiedenen Angaben kostete der Bau dieses Meisterwerks Peter Sewrjugow fast 180.000 Rubel. Er konnte sich das leisten, denn der Umsatz seiner Spinnerei erreichte bis 1913 2 Millionen Rubel. So entstand ein wahres architektonisches Wunder, das sogar für Postkarten fotografiert wurde. 1918 wurde das Werk Sewrjugows nationalisiert. Der älteste Sohn des Fabrikanten weigerte sich, es zu leiten, und emigrierte nach Frankreich, während in der Residenz bis 1922 sein Personal lebte. Bis Ende der 1980er Jahre war die Datscha schließlich völlig verfallen.
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