An der Ecke der Lenin-Straße und der Heiligen Inokentij-Gasse in Blagoweschtschensk steht eines der erstaunlichsten Gebäude der Stadt. Sein Architekt war E.I. Scheffer, und das Gebäude ist im neorussischen Stil gestaltet, wo dekorative Elemente der russischen Holzarchitektur in Stein umgesetzt wurden.
Das Handelsunternehmen 'Kunst und Albers' wurde 1864 von Deutschen aus Hamburg, Gustav Albers und Gustav Kunst, gegründet. Das Unternehmen hatte Filialen in allen großen Städten des Fernen Ostens. Von 1864 bis 1914 war 'Kunst und Albers' das führende Handelsunternehmen der Region mit 32 Filialen und Büros in Städten wie St. Petersburg, Moskau, Odessa, Riga, Warschau, Kobe und Nagasaki. Begonnen mit dem Großhandel von chinesischen Waren, wuchs die Firma zu einem großen Anbieter von landwirtschaftlicher Technik und Transportdienstleistungen. Das Unternehmen bot auch verschiedene Formen von Versicherungen und Krediten an.
Das Kaufhaus in Blagoweschtschensk wurde 1894 erbaut und orientierte sich am GUM. Bemerkenswert ist, dass das russische Geschäft für deutsche Kaufleute von chinesischen Arbeitern gebaut wurde. Das Gebäude wurde schrittweise errichtet, und der dritte Teil wurde fast 20 Jahre nach Baubeginn fertiggestellt. Bis 1911 hatte das Gebäude sein heutiges Aussehen angenommen.
Im Geschäft konnte man alles kaufen, von Stecknadeln bis zu landwirtschaftlichen Maschinen, von Delikatessen bis zu modernen Waffen. Bereits damals zeigten die Amur-Käufer eine Vorliebe für Rabatte und die Gewohnheit zu feilschen, was die praktischen Deutschen dazu brachte, die Preise zunächst um 5, 10% zu erhöhen und diese Prozentsätze dann 'zu erlassen'.
Die Geschichte des größten Handelsunternehmens mit deutschem Kapital im Fernen Osten in Blagoweschtschensk endete 1920. In der Folge beherbergte das Gebäude verschiedene Institutionen, wie den Amur-Gebietsverband der VKP(b), den Gebietsverband der RKSN, die Redaktion der Zeitung 'Amurische Wahrheit' und später das Oblastkomitee der KPdSU und den Oblastvollzugsrat. Das einst prächtige Gebäude wurde in kleine Räume für sowjetische Staatsbeamte unterteilt. 1984 zog das Amur-Regionale Heimatmuseum ein, das dort bis heute ansässig ist.
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