Stehend an diesen Wänden spürt man unwillkürlich Gänsehaut. Die deutschen Parlamentarier sehen sie täglich. Die Inschriften, die von sowjetischen Soldaten nach der Einnahme des Reichstags im Jahr 1945 hinterlassen wurden, erinnern Besucher und Abgeordnete an dieses Ereignis. Dank einer speziellen Restaurierungstechnik sehen sie so aus, als wären sie erst kürzlich entstanden. Ein Teil der Inschriften wurde sichtbar gelassen, während ein anderer Teil unter Putz verborgen wurde, um sie zu erhalten. Obszöne und anstößige Inschriften wurden nach Rücksprache mit den russischen Diplomaten entfernt.
Führer, die durch das Gebäude führen, erzählen oft die Geschichte von den ersten Abgeordneten, die nach dem Umzug des Parlaments von Bonn nach Berlin in den Reichstag kamen. Einer der Abgeordneten, der die Autogramme sowjetischer Soldaten sah, dachte, es seien frische Spuren, die von Rowdys in den neu renovierten Räumen hinterlassen wurden. Er rief die Parlamentsverwaltung an, um von dem empörenden Vorfall zu berichten, aber dort wurde ihm die Herkunft und Bedeutung dieser Inschriften erklärt.
Anfang der 2000er Jahre wurde die Frage der Entfernung der Inschriften diskutiert, die sogar im Bundestag zur Abstimmung gebracht wurde, aber der Vorschlag wurde mit überwältigender Mehrheit abgelehnt.
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