Über das literarische Talent von Alexander Puschkin wissen alle, aber auch sein jüngerer Bruder Lew Sergejewitsch war ein passabler Dichter. Doch aufgrund der Bekanntheit Alexanders blieb Lew im Schatten seines Bruders, obwohl das vielleicht auch seine eigene Schuld war. Zeitgenossen erinnerten sich an Lew Sergejewitsch als einen windigen, leichtfertigen und etwas faulen Menschen. Trotz guter schulischer Leistungen schloss er das Adelige Pensionat nicht ab.
Dennoch spielte Lew eine wichtige Rolle, als Alexander verbannt wurde. Er kümmerte sich eine Zeit lang um die Verlagsangelegenheiten seines Bruders und war dessen vertraute Person. Augenzeugen berichteten, dass Lew über ein phänomenales Gedächtnis verfügte und alle Gedichte seines Bruders, einschließlich der unveröffentlichten, auswendig kannte. Dank dieses Talents gelang es, einige Werke wiederherzustellen, die Alexander nicht mehr veröffentlichen konnte.
Im Jahr 1826 änderte sich das Leben von Lew Sergejewitsch abrupt: Er beschloss, sich dem Militärdienst zu widmen und trat in das Nischni Nowgoroder Dragonerregiment ein. Zu dieser Zeit tobte der Krieg im Kaukasus, wo Lew sich als mutiger Kavallerist bewährte, verwundet wurde und sich durch seinen Mut einen Namen machte. Gerade in Tschetschenien erfuhr er von dem tragischen Tod Alexanders. Erschüttert wollte Lew nach Frankreich reisen, um sich an Dantès zu rächen, doch seine Kameraden rieten ihm von diesem Schritt ab.
Nach seiner Entlassung heiratete Lew und zog nach Odessa, wo er in der Hafen-Zollbehörde arbeitete. Sein Haus an der Ecke der Deribasovskaya Straße wurde zu einem literarischen Salon, in dem er oft die Gedichte seines Bruders aus dem Gedächtnis vortrug, von ihm erzählte und manchmal seine eigenen Werke präsentierte. Lew Sergejewitsch starb 1852. In den letzten Jahren litt er an Tumoren im Unterbauch und war oft krank. Die offizielle Todesursache war Wassersucht, die, wie die moderne Wissenschaft weiß, in 75% der Fälle durch Leberzirrhose und in 10% durch bösartige Neubildungen verursacht wird.
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