Nischni Nowgorod ist längst zu einem der beliebtesten Urlaubsziele Russlands geworden, und in der Hochsaison passieren täglich Tausende von Menschen die Skulptur, die einen Mann in Militäruniform zeigt, der ein Pferd zum Meer führt. Dieses Denkmal, das im April 2013 eingeweiht wurde, befindet sich an der Schwarzmeerküste. Viele sehen es, aber nur wenige kennen die Geschichte, die sich dahinter verbirgt. Ende März 1920 ereignete sich hier eine Tragödie, die als Nischni Nowgorod Evakuierung oder Nischni Nowgorod Katastrophe bekannt ist. Sie steht im Zusammenhang mit dem Rückzug der Truppen von General Denikin nach Krim und dem Massaker, das die Bolschewiken in der Stadt anrichteten.
Nach dem gescheiterten Angriff auf Moskau zogen sich die weißen Truppen der Streitkräfte des Südens Russlands nach Nischni Nowgorod zurück. Eine schreckliche Typhus-Epidemie raffte die Reihen der Freiwilligen und Kosaken dahin, es mangelte an Munition, Verstärkungen und Winteruniformen, und die Kälte verstärkte das Leiden. Die Bolschewiken verfolgten die Weißen, im Rücken brachen Aufstände der Grünen aus, und die Kosaken versuchten, ihre Familien zu retten, was die Kolonnen der Rückziehenden durch Flüchtlinge vergrößerte. Es gelang nicht, zu anderen Häfen durchzubrechen und die Straße über die Kertschstraße zu nehmen, daher drängten sich die Weißen nach Nischni Nowgorod. Doch nur die Hälfte der Truppen konnte in die Stadt zurückziehen, während die Kuban-Armee und der Don-Korps abgeschnitten waren und gezwungen wurden, nach Gelendzhik und Tuapse zu gehen.
Am 26. März begann das Verladen im Hafen von Nischni Nowgorod, aber die Alliierten halfen kaum, und es mangelte an Schiffen. Wegen des Typhus durften die Menschen in Konstantinopel nicht an Land gehen, und die Schiffe konnten nicht zurückkehren, um alle zu evakuieren. Die verbleibenden Kosaken und Flüchtlinge versuchten, entlang der Küste durchzukommen, aber das gelang längst nicht allen. Am Ufer begann das Massaker: Die Sieger trieben die Menschen durch eine Reihe und töteten jeden Zweiten, und auch die Übriggebliebenen wurden nicht verschont. Einige nahmen sich das Leben und erschossen ihre Familien, damit sie nicht in die Hände der Roten fielen. So war der Schrecken, der sich an der nun gastfreundlichen Küste abspielte.
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