Als Maria Ignatjewa, die Frau von Michail Tuchatschewski, über den Bahnsteig ging, drehten sich die Männer unwillkürlich nach ihr um, denn sie war eine wahre Schönheit. Am Bahnhof stand bereits der prächtige Wagen des Kommandanten, der an einen Palast erinnerte: Die Wände waren mit bronzenen Kerzenhaltern und Spiegeln in teuren Rahmen geschmückt, und im Salon standen mit blauen Samt bezogene Sofas. Dieser Wagen gehörte früher dem Großfürsten Nikolai Nikolajewitsch und gelangte dann zu Colonel Kappeln, der ihn ablehnte, da er dies als unbescheiden empfand. Der Wagen sollte in den Norden geschickt werden, aber bei einem der Überführungen wurde er von den Roten ergriffen und wurde ein Trophäe von Michail Tuchatschewski.
Den Bürgerkrieg, der Hunger, Zerstörung und Tod brachte, versuchte die naive Masha zu ignorieren und lehnte zweifelhafte Nahrungsquellen nicht ab. Tuchatschewski stellte ihr einen ganzen Wagen und eine Eskorte aus Rotarmisten zur Verfügung. Fast jeden Tag brachten die Wachen Säcke mit Lebensmitteln in den Wagen. Maria besuchte oft ihre Eltern und brachte ihnen Geschenke mit. Einmal brachte sie drei Säcke Mehl, sechs Säcke Kartoffeln, mehrere Kisten englischer Konserven, eine Schachtel französischer Kekse und die Hälfte einer Kuh mit. All dies geschah in einem vom Krieg verwüsteten Land. Bald erfuhren die Mitglieder des Revolutionären Kriegsrates von Marias Reisen, und Michail wurde zu einem Gespräch eingeladen.
Im Dezember 1918 kam Maria erneut zu ihrem Mann. Doch Michail empfing sie kalt. "Du hast mich enttäuscht", sagte er. "Womit?", erschrak Maria. "Du hast mich von Kopf bis Fuß beschmutzt! Meine Frau, die Tütenträgerin. Du wirst sowieso nichts verstehen. Aber wir leben in einem neuen Russland, und für eine Scheidung sind keine Zeremonien und Eintragungen in Kirchenbüchern nötig. Du bist frei!"
Mit Tränen in den Augen rannte Maria hinter den Wagen, holte eine Pistole heraus und hielt sie, den Abzug gespannt, an ihre Schläfe. Nach wenigen Sekunden ertönte ein Schuss. Michail Tuchatschewski hielt es nicht für nötig, zu ihrer Beerdigung zu kommen.
Kommentare
Noch keine Kommentare. Seien Sie der Erste.
Um einen Kommentar zu hinterlassen, mit Google anmelden.