Die Geschichte der Gebäude, die heute das Elektrotheater Stanislawski beherbergen, beginnt im 19. Jahrhundert. 1872 erwarb der Geheime Rat Ivan Pawlowitsch Schablykin das Grundstück neben dem Englischen Club, das im 18. Jahrhundert der Familie Golizyn gehörte. 1874 wurde nach dem Entwurf des Architekten Michail Nikiforow ein vierstöckiges Mietshaus errichtet, das rechtwinklig zur Tverskaja-Straße lag und im Erdgeschoss Handelsgalerien hatte. Hier befanden sich zeitweise eine Bierstube, ein Friseursalon und eine Galanteriewarenhandlung.
1888 entstand in der Nähe, an der Ecke Tverskaja und Mamonow-Straße, ein g-förmiges Herrenhaus nach dem Entwurf des Architekten Mitrofan Arsenjew, das ebenfalls als Mietshaus genutzt wurde. 1913 ging das Grundstück an Graf Alexei Kapnist über, der bald eines der Häuser an den Filmproduzenten Abram Gechtman vermietete. Auf Gechtmans Auftrag wurde das schmale Mietshaus in ein Elektrotheater mit einem Saal für 900 Plätze, einer Orchestergrube vor der Leinwand, zwei Foyers, repräsentativen Treppen und einem Buffet umgebaut. Das Herrenhaus erhielt eine neue neoklassizistische Fassade mit Balkon und Löwenskulpturen auf dem Dach, die mit dem Erscheinungsbild des Englischen Clubs harmonierte. Das Elektrotheater „Ars“ wurde im November 1915 feierlich mit der Vorführung des Films „Traum vom goldenen Traum“ eröffnet. Auf der Fassade ist bis heute dieses Datum und eine Tafel über den Auftritt von W.I. Lenin im Jahr 1918 bei einer Versammlung zum Jahrestag der Revolution zu sehen.
Von 1921 bis 1936 befand sich im Gebäude des Kinos „Ars“ das Kinder-Theater unter der Leitung von Natalja Saz, danach das Moskauer TJUZ, und 1950 wurde hier das Moskauer Dramatische Theater benannt nach K.S. Stanislawski untergebracht.
Im Laufe eines Jahrhunderts hat das Gebäude mehrere Rekonstruktionen durchlaufen: 1940, bei der Erweiterung der Gorki-Straße, wurde das Theater tiefer ins Quartier verlegt, und 1955, im Zuge einer Kampagne gegen architektonische Übertreibungen, verlor es einen erheblichen Teil der Fassadendekoration.
Im Jahr 2013 vereinte das Architekturbüro Wowhaus die verstreuten Räume des Gebäudes zu einem einheitlichen funktionalen Raum des Elektrotheaters Stanislawski und nutzte moderne Mittel, um die historische Dekoration der Innenräume zu betonen.
Nach der Rekonstruktion werden im Gebäude unterstützende Renovierungsarbeiten und Anpassungen für die moderne Nutzung durchgeführt.
Kommentare
Noch keine Kommentare. Seien Sie der Erste.
Um einen Kommentar zu hinterlassen, mit Google anmelden.