Unter den zahlreichen orthodoxen Tempeln in Sankt Petersburg sticht die lutherische Kirche St. Anna hervor, die im 18. Jahrhundert erbaut wurde. Dieses einzigartige architektonische Denkmal hat eine bedeutende historische und religiöse Bedeutung und verdient die Aufmerksamkeit von Forschern und Heimatkundlern. Das Auftreten der evangelisch-lutherischen Kirche in der Hauptstadt des Imperiums war kein Zufall. In der Stadt lebten immer viele Ausländer, die westliche Formen des Christentums praktizierten, und sie konnten ihren Glauben frei ausüben. Die russischen Kaiser hielten an dem Prinzip der religiösen Toleranz fest und sorgten für ein komfortables Leben und die spirituellen Bedürfnisse aller Bevölkerungsschichten und bauten oft Tempel auf eigene Kosten. Die Steinkirche St. Anna wurde auf Befehl von Katharina der Zweiten errichtet und behielt den Namen der früheren Holzkirche zu Ehren der Kaiserin Anna Ioannowna.
Die erste lutherische Holzkirche in Sankt Petersburg wurde in den Jahren 1704-1705 auf Initiative des ersten Oberkommandanten der Stadt Roman (Robert) Bruce, einem russischen General schottischer Herkunft, erbaut. Die Anzahl der Gemeindemitglieder wuchs schnell, darunter waren sowohl deutsche Beamte als auch gefangene Schweden nach dem Russisch-Schwedischen Krieg. Bald wurde der hölzerne Tempel für alle, die kommen wollten, zu klein, er wurde versetzt und erneut aus Holz erbaut, und dann entschloss man sich, eine Steinkirche zu errichten.
Die Kirche St. Anna wurde 1775 eingeweiht und 1779 für die Gläubigen eröffnet. Der neue Tempel, der im klassizistischen Stil erbaut wurde, verfügt über viele bemerkenswerte architektonische Elemente, wie eine halbrunde Rotunde, ionische Säulen und einen geräumigen Gebetsraum. In der vorrevolutionären Zeit zählte die Gemeinde etwa 12.000 Personen. Nach dem Machtantritt der Bolschewiki wurde die Kirche jedoch geschlossen und in ein Kino umgebaut. Die Rückkehr des Tempels war langwierig: In den 1990er Jahren fanden im Gebäude abwechselnd Gottesdienste und Filmvorführungen statt. Nach einem Gerichtsurteil über die Rückgabe der Kirche brannte sie "plötzlich" und blieb lange Zeit in diesem Zustand. Erst 2013 fand der erste Gottesdienst in der Kirche statt, und die Gemeinde wurde wiederhergestellt.
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