Haus Nr. 14 am Jaroslawler Wall ist als Haus mit Karyatiden bekannt. Meiner Meinung nach ist es das schönste Gebäude in dieser Straße.
Dieses Haus war ein Mietshaus und gehörte Leonid Rodzjanko, der darin Wohnungen vermietete. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurden in Kiew viele solcher prächtigen Häuser gebaut. Sie waren mit elektrischer Beleuchtung, heißem und kaltem Wasser, Dampfwärme, Aufzügen der Firma „Otis“ und den damals beliebten Sprechrohren ausgestattet, die es den Besuchern ermöglichten, mit den Bewohnern zu kommunizieren. In den Kellern befanden sich Waschküchen und Eiskeller für jede Wohnung. In den Häusern gab es Wohnungen mit 5, 7, 9 und 11 Zimmern, hohen Decken, Kaminen und Öfen. Um Mieter anzulocken, wurden die Häuser im Jugendstil dekoriert, und das Haus mit Karyatiden war da keine Ausnahme.
Das Gebäude wurde nach dem Entwurf des Architekten Martin Klug in nur einer Bausaison in den Jahren 1910-1911 errichtet. Klug, ein Nachkomme einer preußischen Kaufmannsfamilie, war einer der Architekten, die vom Jugendstil begeistert waren. Ich halte dieses Haus für das schönste seiner Werke. Interessant ist, dass Klug kein Architektendiplom hatte, er war Ingenieur. Zu dieser Zeit konnten nicht nur diplomierte Architekten, sondern auch Ingenieure nach Ablegen einer Prüfung die Genehmigung zum Bau von Wohngebäuden erhalten. Sie durften jedoch keine Theater, Bildungs- und religiösen Einrichtungen bauen.
Bei meinen Führungen sage ich immer, dass jedes Jugendstilhaus eine eigene Geschichte des Architekten erzählt. Martin Klug erzählte hier die Geschichte des Frühlings und des Erwachens der Natur. An der Fassade des Hauses sind zahlreiche Blumen zu sehen: Veilchen, Narzissen, Flieder und Sonnenblumen. Hier gibt es Rosen, das Symbol ewiger Liebe und die Lieblingsblume des Jugendstils. Die Balkone werden von den Ästen der Kastanie gestützt, ohne die man sich den Kiewer Frühling nicht vorstellen kann. Aber das Hauptdekor des Hauses sind zwei weibliche Figuren mit offenen Haaren, die Karyatiden.
Interessant ist die Herkunft dieses Wortes. Als die alten Griechen die Stadt Karien auf dem Peloponnes eroberten, töteten sie alle Männer und führten die Frauen in die Sklaverei. Seitdem begannen griechische Architekten, weibliche Figuren in langen Kleidern, wie die Frauen von Karien, zur Gestaltung von Gebäuden zu verwenden. Diese Figuren, die Lasten trugen, damit die Nachkommen sich an die Bestrafung der Bewohner von Karien erinnerten, wurden Karyatiden genannt.
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