Der Moltschanow- und Sawina-Palast, erbaut in den Jahren 1905 und 1906 für die Schauspielerin Maria Sawina auf Bestellung ihres Mannes Anatoli Jewgrafowitsch Moltschanow, gilt als eines der besten Beispiele des Jugendstils in Sankt Petersburg. Er befindet sich in der Literatorenstraße 17.
Anatoli Moltschanow, Kaufmann und Unternehmer, war wahnsinnig in Maria Sawina verliebt, die ihn inspirierte. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts beschloss er, für seine neue Familie einen prächtigen Palast zu bauen, ohne Kosten zu scheuen. 1905 erwarb er ein Grundstück auf der Apothekerinsel und lud den Architekten Michail Geisler ein, das Projekt zu entwerfen. Geisler schuf ein asymmetrisches Gebäude mit ausdrucksvollen Fassaden, unterschiedlichen Fenstern, üppigen Stuckarbeiten und filigranen Gittern. Die Stuckarbeiten wurden von der Firma des Meisters Tschachotin ausgeführt, die die Fassaden mit gewundenen Lianen, Blumen und Rosetten schmückte. Das Erdgeschoss ist mit Rustika in grobem Stein gestaltet, was im Kontrast zu den bunten Majolika-Paneelen steht. Der Balkon im zweiten Stock wird von einem keramischen Paneel mit der Darstellung eines Zyklamens geschmückt. Der Ecker des Gebäudes wird durch einen Erker mit hohem Dach und den Initialen AE hervorgehoben. Hinter dem Haus befinden sich Wirtschaftsgebäude und ein Garten.
Die Innenräume gestaltete ebenfalls Geisler. Im Erdgeschoss befanden sich eine Bibliothek, ein Arbeitszimmer, ein Speisesaal und ein Raum für Theaterkostüme, im zweiten Stock ein Schminkraum, eine Garderobe und Wohnräume. Der Speisesaal war mit Holzvertäfelungen, Kassettendecken und Stuckarbeiten sowie Kachelöfen dekoriert. In den Innenräumen spielten die Glasfenster, die den Theaterrollen der Hausherrin gewidmet waren, eine wichtige Rolle. Zum Beispiel zeigt die Komposition „Vikingerüberfall“ ein entführtes Mädchen, das vermutlich von Sawina inspiriert wurde. Die repräsentative Treppe wird von einem dreiteiligen Paneel geschmückt, das den dramatischen Helden und der Kunst gewidmet ist.
Moltschanow und Sawina zogen 1907 in den Palast ein. In ihrem Haus verkehrten bekannte Kunstschaffende wie Anatoli Koni, Nikolai Figner und Juri Jurjew. Sawina starb in diesem Haus am 8. September 1915. 1918 eröffnete Moltschanow ein Museum für Sawina, das bis 1925 bestand, danach wurde das Gebäude für Büros und kommunale Wohnungen genutzt und die Räume umgestaltet. Die Ausstattung des Haupteingangs und vieler Innenräume ging verloren.
Lange Zeit verfiel das Gebäude, doch nun wurde es restauriert und als Denkmal von bundesweiter Bedeutung anerkannt. Maria Sawina war lange vergessen, doch jetzt wurde an der Wand des Hauses eine Gedenktafel angebracht, die daran erinnert, dass sie hier lebte und starb.
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