Im historischen Zentrum von Kaluga, an der Kreuzung der Straßen Puschkin und Bauman, steht ein dreigeschossiges Herrenhaus, das Ende des 18. Jahrhunderts vom Gouvernementsarchitekten Jasnygin auf Auftrag des Kaufmanns Ivan Galaktionovich Bilibin errichtet wurde. Nach seinem Tod ging das Haus an seinen Sohn, den Petersburger Kaufmann Vasily Ivanovich Bilibin, über, und 1848 erwarb es der im Ruhestand befindliche Oberstleutnant Sukhotin.
Auf den ersten Blick hebt sich das Haus durch sein Alter nicht von anderen ab, doch 1859 gefangennahm Generalfeldmarschall Baryatinsky den berühmten Imam Schamil. Anstatt ihn zu verhaften, wurde er zunächst zu einer Audienz beim Kaiser Alexander II. gebracht und dann zur freien Wohnsitznahme nach Kaluga geschickt. Die Ankunft Schamils am 10. Oktober 1859 war ein bedeutendes Ereignis für die Stadt. Lithografische Porträts des Gefangenen wurden schnell verkauft. Er wurde vom Kommandanten und der Gouvernementsverwaltung empfangen und vorübergehend im Hotel „Kulon“ in der Nikitskaya-Straße (heute Lenin-Straße) untergebracht.
Bald wurde beschlossen, Schamil im Herrenhaus Sukhotins unterzubringen, dessen Miete den Staat 900 Rubel pro Jahr kostete. Im Haus wurden dringende Reparaturen durchgeführt, und im November zog der ehemalige Imam dort ein. Im Januar 1860 kam seine Familie mit Bediensteten, insgesamt 22 Personen, nach Kaluga. Schamil zeigte sich an öffentlichen Orten, in Schulen, Krankenhäusern und im Theater, hielt sich jedoch nicht länger als bis 22 Uhr auf.
Am 26. August 1866 legte Schamil im Adelsverein feierlich den Treueeid auf den russischen Kaiser ab. Acht Jahre später, am 25. November 1868, verließ er Kaluga, doch das Haus Nr. 4 in der Puschkin-Straße bleibt für immer mit seinem Namen verbunden. Seitdem wird das Gebäude nicht nur als Haus des Kaufmanns Bilibin, sondern auch als Haus Schamil bezeichnet.
Heute ist im Haus Bilibin/Schamil ein Waffenmuseum und eine Ausstellung zur Ersten Weltkrieg geöffnet, die Teil des Kaluger vereinigten Museums-Reservats ist. Der Großteil der Exponate ist dem Ersten Weltkrieg gewidmet: Waffen und Uniformen aus dieser Zeit, originale Plakate, Dokumente und Fotos von Kalugern, die am Krieg teilnahmen, Gedenkmedaillen und -tokens sind ausgestellt. Das zentrale Exponat ist die Diorama „Brusilov-Durchbruch“ des verdienten Künstlers der RF Pavel Viktorovich Ryzhensko. Die Waffensammlung wird durch originale Exponate aus dem späten 18. und frühen 19. Jahrhundert ergänzt. Außerdem gibt es eine Ausstellung, die Schamils Aufenthalt in Kaluga gewidmet ist, und einen kleinen Saal mit Waffen aus dem 11. bis 19. Jahrhundert. Das Museum ist einzigartig und verdient Aufmerksamkeit.
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