Das Haus Delwig, ein bekanntes Herrenhaus im Zentrum von St. Petersburg, war in den 1820er und 30er Jahren Wohn- und Arbeitsort von Anton Antonowitsch Delwig, einem bekannten Dichter und Verleger sowie Freund Puschkins. Dieses klassische Herrenhaus aus dem frühen 19. Jahrhundert ist nahezu vollständig erhalten und hat den Status eines Kulturdenkmals von St. Petersburg.
Geschichte des Baus und die ersten Jahre
Das Haus an der Sagorodny-Prospekt wurde 1811 gegründet und zwei Jahre später fertiggestellt. Es wurde von dem Architekten M.A. Owsyannikow entworfen, der in St. Petersburg noch mehrere Gebäude im klassischen Stil schuf. Ursprünglich gehörte das Herrenhaus dem Kaufmann Tychinkin und wurde als Mietshaus erbaut, was den Eigentümern erhebliche Gewinne einbrachte. Doch 1829 zog die Familie des Barons Anton Antonowitsch Delwig, eines bekannten Literaten, hier ein.
Anton Delwig, Nachkomme von eingebürgerten deutschen Adligen, hatte ein herausragendes literarisches Talent, obwohl er nicht gut in der Schule war. Trotz des Spitznamens „Sohn der Faulheit, inspiriert“, den ihm Puschkin gab, schrieb er schon in der Kindheit Gedichte und begann früh zu publizieren. Obwohl Delwig nur drei Jahre in diesem Haus lebte, blieb sein Name für immer mit dem Herrenhaus verbunden, was es später vor der Zerstörung rettete.
Literarisches Leben im Haus
An der Sagorodny-Prospekt begann Delwig die „Literarische Zeitung“ herauszugeben, die schnell populär wurde dank talentierter Autoren und unabhängiger Ansichten. Puschkin, ein häufiger Gast bei Delwig, war einer der Initiatoren der Gründung der Zeitung. Im Haus versammelte sich die kreative Intelligenz, darunter der Dichter V.A. Schukowski, der Prinz V.F. Odojewski, der Dichter N.I. Gneditsch, der Publizist I.A. Krylow und der Rektor P.A. Pletnew. Auch der junge N.V. Gogol, dessen Werke in der Zeitung veröffentlicht wurden, war hier zu Gast.
Das Leben Delwigs endete 1831 im Alter von 32 Jahren. Die Gründe für seinen Tod sind unklar, offiziell wird er mit Typhus in Verbindung gebracht. Puschkin schrieb über den Tod seines Freundes als den ersten, den er aufrichtig betrauerte. Seitdem ist das Haus als „Haus Delwig“ bekannt.
Weitere Geschichte
1867 kaufte der Kaufmann G.V. Wasiljew das Gebäude, der es etwas umbaute. Nach seinem Tod 1874 ging das Haus an seine Witwe über und wurde 1879 an den Kaufmann F.I. Korowin verkauft.
Im 20. Jahrhundert überstand das Haus Revolution und Krieg, begann jedoch allmählich zu verfallen. 1961 wurde es restauriert und die Fassade erhalten. In den 1980er Jahren war geplant, das Haus für den Bau einer U-Bahn abzureißen, aber dank einer öffentlichen Kampagne konnte es erhalten werden. 1987 wurde das Herrenhaus rekonstruiert und das Fundament verstärkt.
Bis 1990 war das Haus vollständig restauriert, und die U-Bahn-Station wurde an einem anderen Ort eröffnet. 2001 wurde das Haus Delwig in die Liste der Kulturdenkmäler aufgenommen. 2014 wurde das Gebäude erneut rekonstruiert und sein historisches Erscheinungsbild bewahrt. Heute befindet sich hier ein Bürozentrum, und an der Fassade ist eine Gedenktafel zu Ehren von Anton Delwig und der Puschkin-Ära angebracht.
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