Der zwanzigste Jahrhundert hinterließ tiefe Spuren im Schicksal von Millionen unserer Landsleute, die über die ganze Welt verstreut sind. Einige von ihnen erreichten unglaubliche Höhen und gingen in die Geschichte ein. Das Leben von Lidia Nikolajewna Deliktorische ist voller unerwarteter und tragischer Wendungen. Sie wurde am 23. Juni 1910 in einer Familie von Ärzten in Tomsk geboren. Ihr glückliches Leben wurde durch revolutionäre Umwälzungen zerstört. Der Bürgerkrieg wurde zu einem Wendepunkt, der Lidias Leben in "vor" und "nach" teilte. Mit 13 Jahren verlor sie ihre Eltern und lernte, selbstständig zu überleben, bis ihre Tante sie nach Harbin brachte, wo bereits Tausende von Weißemigranten lebten.
Als sie volljährig wurde, heiratete Lidia und zog mit ihrem Mann im Alter von 19 Jahren nach Paris, wo sie bald geschieden wurde. Sie musste sich erneut alleine in einer fremden Stadt zurechtfinden, aber das Schicksal führte sie zu dem berühmten Künstler Henri Matisse, der mehr als 40 Jahre älter war. Zunächst arbeitete sie als Sekretärin und Modell für ihn, dann wurde sie Pflegerin für seine kranke Frau und zog zu ihnen. Ihre Beziehung war kompliziert: Matisse' Frau war eifersüchtig und bestand eines Tages darauf, dass Lidia das Haus verlässt. Das hätte das Mädchen beinahe in eine Tragödie gestürzt, aber nach der Trennung von Matisse' Frau wurde sie die wichtigste Frau in seinem Leben. 22 Jahre lang war sie an seiner Seite und unterstützte ihn in allem. Dieses Paar hinterließ einen bedeutenden Eindruck in der Kunstgeschichte. Henri starb am 3. November 1954 im Alter von fast 85 Jahren, während Lidia ihn um 44 Jahre überlebte und am 16. März 1998 starb.
Neben der Arbeit mit Matisse korrespondierte Lidia Nikolajewna mit Paustowsky und pflegte Freundschaften mit vielen bekannten Persönlichkeiten. Laut ihrem Testament wurde sie nach ihrem Tod nicht in Paris, sondern in Pawlowsk beigesetzt. In den letzten zwanzig Jahren wurden zahlreiche Filme über ihre Beziehung gedreht, sie wurden zu Protagonisten von Ausstellungen und Büchern. So verlief das Schicksal des jungen Waisenkindes aus Tomsk, das gezwungen war, ihr ganzes Leben fern der Heimat zu verbringen und alles von neuem mit Schmerz in der Seele zu beginnen.
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