Unter den vielen vorrevolutionären Kirchen Irkutsk findet man überraschend die katholische Kirche der Himmelfahrt der Gottesmutter, die 1881 gegründet wurde und als Polnische Kirche bekannt ist. Die Geschichte dieser Kirche in Irkutsk ist eng mit der Geschichte der Stadt verbunden, in der es immer viele Exilanten und ehemalige Strafgefangene gab. In jenen Zeiten brachen in Russland häufig Unruhen an den katholischen Randgebieten aus, die niedergeschlagen wurden, und ihre aktiven Teilnehmer wurden ins Exil nach Sibirien geschickt. So entstand in Irkutsk eine katholische Gemeinde.
Die Stadtverwaltung von Irkutsk erkannte, dass alle Einwohner die Möglichkeit haben sollten, Gottesdienste zu feiern, und beschloss, eine katholische Kirche zu bauen. Die erste katholische Kirche entstand nach dem Aufstand von 1830, brannte jedoch nieder, und 1881 wurde ein neuer Tempel eingeweiht, der 1884 zu Ehren der Himmelfahrt der Gottesmutter geweiht wurde. Während des Ersten Weltkriegs schlossen sich der katholischen Gemeinde Kriegsgefangene an, die von der Front nach Sibirien gebracht wurden, sowie die tschechoslowakischen Legionäre von Nikolaus II. und Admiral Koltschak.
Mit dem Kommen der sowjetischen Macht wurde die katholische Kirche, wie auch die orthodoxen Tempel, geschlossen. Doch die Kirche hatte mehr Glück: Zuerst wurde sie von Filmleuten genutzt, dann von der örtlichen Philharmonie. Trotz alledem zerfiel das Gebäude allmählich und benötigte Reparaturen. Leider wurde die Kirche nie vollständig an die katholische Kirche zurückgegeben, und die Gottesdienste finden in den Pausen zwischen den Konzerten der Philharmonie statt. Insgesamt ist dies kein allzu schlechtes Schicksal, wenn man bedenkt, dass viele architektonische Denkmäler überhaupt nicht erhalten geblieben sind.
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