Im 18. Jahrhundert bereicherte sich Putivl um mehrere herausragende Tempel, unter denen die Kirche des Nikolaus von Kasan einen besonderen Platz einnimmt. Dieser Tempel wurde mit Mitteln der putivler Kosaken errichtet und zeichnet sich durch seine schlanke, zweiturmige Silhouette aus, die von weitem sichtbar ist. Doch die wahre Größe des Entwurfs des alten Architekten wird erst bei näherer Betrachtung deutlich.
Ursprünglich wurde der Tempel in den Jahren 1735-1737 als dreiteiliger und einstöckiger Bau errichtet. Später, im Jahr 1770, wurde an der Westseite der Kirche ein mehrstöcklicher Glockenturm angebaut, was die ursprüngliche Silhouette des Gebäudes veränderte. Die Kirche besteht aus zwei Etagen. Im Erdgeschoss, bekannt als Unterkirche, befand sich die warme Kirche, in der im Winter Gottesdienste abgehalten wurden. Die niedrigen Gewölbe mit Ausbuchtungen und die Fülle an Licht schaffen eine Atmosphäre von häuslichem Komfort. Der obere Teil, die kalte Kirche, war für die Sommergottesdienste vorgesehen. Durch einen Bogen eröffnet sich der Blick auf die hohe zentrale Kuppel, deren Kanten die Illusion unerreichbarer Höhe erzeugen.
Der Tempel wurde von einem russischen Architekten geschaffen, was durch seine konstruktiven Merkmale bestätigt wird. Da jedoch die ukrainische Kosakengemeinde von Putivl als Auftraggeber auftrat, wurde dem Meister als Vorbild ein ukrainischer hölzerner, einstöckiger Tempel angeboten. Der Architekt meisterte nicht nur die Aufgabe hervorragend, indem er ein Gebäude mit ausdrucksvollen Proportionen und Silhouette schuf, sondern berücksichtigte auch das visuelle Empfinden: Die Fenster der ersten Etage, die auf Augenhöhe liegen, sind mit eleganten Rahmen verziert, während die Fenster über der menschlichen Augenhöhe ohne Verzierungen auskommen.
Die Kirche des Nikolaus von Kasan ist ein herausragendes Denkmal der Architektur des ukrainischen Barocks und zeigt, wie sich die professionelle Architektur unter dem Einfluss volkstümlicher Traditionen und Geschmäcker entwickelte. Bis vor kurzem beherbergte der Tempel eine Ausstellung des Museums „Das Wort über das Heer von Igor“.
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