Am 16. Juli 1912, am Tag der Feierlichkeiten zum 300. Jahrestag der Befreiung Moskaus und Russlands von den polnischen Besatzern durch die Kräfte der Volksmiliz unter der Führung von Minin und Pozharsky im Jahr 1612, wurde in Charkow die letzte vorrevolutionäre Kirche, die Kirche der Kazan-Ikone der Gottesmutter auf dem Lysen Berg, geweiht. Trotz ihrer Jugend und Abgeschiedenheit von den zentralen Straßen Charkows hatte die Kirche von Anfang an ein bemerkenswertes Schicksal.
Die Idee zum Bau der Kirche für die Bewohner eines der neuen Stadtviertel gehörte dem bekannten charkowschen Kaufmann Konstantin Petrowitsch Utkin. Als der Wohltäter der Kathedrale der Himmelfahrtskirche und Vorsitzender des Ausschusses für den Bau der neuen Verkündigungskirche nahm Utkin mit Erfahrung das Projekt in Angriff und investierte erhebliche persönliche Mittel. Der Entwurf der Kirche im russisch-byzantinischen Stil wurde vom charkowschen Diözesanarchitekten Wladimir Christjanowitsch Nemkin erstellt, und die Bauleitung hatte sein Kollege, der Architekt Wladimir Nikolajewitsch Pokrowski. Interessanterweise wurde eine Gruppe von Meistern eingeladen, die erst zwei Jahre zuvor eine neue Kirche für das Männerkloster der Himmelfahrts-Sarow-Pustyn in der Provinz Nischni Nowgorod gebaut hatten.
Leider sahen weder Nemkin noch Utkin den Abschluss ihrer Arbeit: Der Architekt der Kirche starb 1908 nach langer Krankheit, und Utkin verstarb ein Jahr vor der Fertigstellung des Bauwerks. Dennoch wurde die Kazan-Kirche zur einzigen in Charkow und zu einer der wenigen in der Charkower Diözese, in der seit 1912 bis heute die Gottesdienste nicht unterbrochen wurden und das Altarkreuz der Gottesmutter stets in den Mauern der Kirche blieb.
Einen Monat vor der Weihe der Kirche erschien in der Zeitung „Südliches Land“ ein Artikel: „In einer wunderbaren Lage auf einem hohen Berg mit steilem Abhang nach Osten hinterlässt sie sowohl von der Eisenbahn als auch von der Stadt aus einen bezaubernden Eindruck, da sie sich durch Größe und Vollständigkeit des Stils am Horizont abhebt. Der Entwurf der Kirche stammt vom verstorbenen Diözesanarchitekten Nemkin, der auch die Nikolauskirche baute, und die Mittel für den Bau wurden vom verstorbenen Kathedralenältesten K.P. Utkin bereitgestellt. Den Abschluss des Baus und der Innengestaltung musste seine Adoptivtochter E.K. Utkina, die derzeit Vorsitzende des Bauausschusses ist, übernehmen. Die Kirche ist vollständig ausgestattet, der Ikonostase wurde von V.I. Hetman erstellt, und die Ikonen wurden im Dreifaltigkeits-Sergius-Kloster gemalt. Auch liturgische Geräte wurden aus Moskau erworben. Bald wird die Weihe der neuen Kazan-Kirche auf dem Lysen Berg erwartet. Die Innenmalerei der Kirche wurde aus technischen Gründen auf die Zukunft verschoben.
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