In vielen Städten Russlands sind vorrevolutionäre Architekturdenkmäler erhalten geblieben, doch ihr Zustand lässt oft zu wünschen übrig. Ein solches Beispiel ist das Mietshaus des Kaufmanns Andrei Dukhai in Chita. Über den Kaufmann ist wenig bekannt: Er wurde im Österreichischen Kaiserreich geboren, zog dann nach Russland und ging nach Sibirien auf der Suche nach Verdienst. Ende des 19. Jahrhunderts ließ sich Dukhai in Chita nieder und begann sein Geschäft mit dem Handel von Kosmetika, Parfums, Grammophonen und Damenaccessoires.
1897 beschloss er, sein Geschäft zu erweitern, und erwarb ein Grundstück in der Nerchinskaja-Straße zum Bau eines Mietshauses. Das Projekt des Komplexes aus vier Steinbauten, die wie ein einziges Gebäude aussehen, wurde vom Hauptarchitekten von Chita, Fjodor Ponomarjow, entworfen. Die Fassaden wurden mit rotem Ziegel verkleidet, und die Fenster des zweiten Stocks wurden mit Stuckverzierungen geschmückt und in hellen Tönen gestrichen. Das entstandene Gebäude erinnerte mehr an ein Herrenhaus als an ein Mietshaus. Im Erdgeschoss befand sich der Hauptladen von Dukhai „Slawjanskije Tovary“, während die anderen Räume vermietet wurden. Hier waren eine Zahnarztpraxis, die Gesellschaft für gegenseitige Kredite, ein Notariat und die Handelsversammlung untergebracht. Später ging die Immobilie an die Erben des Kaufmanns, Georgij und Wladimir, über.
Nach der Niederlage der Weißen emigrierten die Brüder Dukhai nach Harbin, und ihr weiteres Schicksal ist unbekannt. In den 1920er Jahren ging das Haus in die Verwaltung der örtlichen Abteilung der GPU über. Bis 2004 befand sich hier das zentrale ROVD von Chita. Am 19. November brach im Gebäude ein schwerer Brand aus, der im zweiten Stock begann und sich schnell ausbreitete. Zu diesem Zeitpunkt befanden sich 25 Personen im Gebäude: Die meisten konnten evakuiert werden, einige sprangen aus den Fenstern. Zwei Polizisten erlitten schwere Verletzungen. Der Brand wurde acht Stunden lang gelöscht. Laut offizieller Version war ein Kurzschluss die Ursache, jedoch vermuten die Strafverfolgungsbehörden Brandstiftung. Infolgedessen wurde das Haus praktisch zerstört, und von seiner früheren Schönheit ist nichts mehr geblieben.
Kommentare
Noch keine Kommentare. Seien Sie der Erste.
Um einen Kommentar zu hinterlassen, mit Google anmelden.