Im Januar 1904 fand im Kiewer Opernhaus die Premiere der Oper "Aida" von Giuseppe Verdi statt. Die Theaterkritiker diskutierten aktiv über die neue Inszenierung, die beinahe wegen eines jungen Debütanten, der die Rolle des schwarzhäutigen Königs Amonasro spielte, gescheitert wäre. Sein Versuch, sich in einen afrikanischen Monarchen zu verwandeln, war misslungen: Das Make-up aus Ruß oder Schuhcreme sorgte für Gelächter im Saal. Doch als er zu singen begann, waren die Zuschauer von seiner Stimme überwältigt. "Der Klang floss, klingelte, funkelte, bezauberte mit seinem Timbre, erschütterte mit seiner Kraft. Der Erfolg war entschieden", erinnerte sich der Regisseur des Bolschoi-Theaters, Wladimir Losski. Dieser Debütant war Georgij Andrejewitsch Baklanow, der später zu einem weltberühmten Star wurde.
Das Interesse an der Kunst und der Wunsch zu singen entdeckte Baklanow erst relativ spät während seines Studiums an der Kiewer Universität. Die Leidenschaft für die Bühne war so stark, dass er nach Petersburg ging, um die Hauptstadt zu erobern. Das Glück war ihm hold: Der Opernsänger Ippolit Prjanischnikov bemerkte Baklanows Talent und brachte ihn zu dem Lehrer Vittorio Vanzo nach Italien. Nach dem Studium in Mailand kehrte Georgij Andrejewitsch nach Russland zurück und wollte in Moskau auftreten, erhielt jedoch Absagen, da man ihm riet, Erfahrung zu sammeln. Da er nicht warten wollte, unterschrieb er einen Vertrag mit der privaten Oper von Herrn Zimin. Bald verbreitete sich der Ruhm seines Baritons in Moskau. Der Direktor der Kaiserlichen Theater, der Baklanow zuvor abgelehnt hatte, flehte nach dem Konzert an, zurückzukehren und versprach ihm die Hauptrolle. Später schrieb Rachmaninow selbst Musik für Baklanow.
Bald begann Georgij Andrejewitsch internationale Tourneen. Er trat in der Mailänder La Scala, im Berliner Opernhaus, im Teatro Colón in Buenos Aires und im Londoner Covent Garden auf und erzielte überall großen Erfolg. Deutsche Zeitungen bemerkten, dass "es für russische Künstler anscheinend nichts Unmögliches gibt". Nach den Ereignissen im Oktober 1917 beschloss Baklanow, nicht nach Russland zurückzukehren, und blieb in Deutschland, wo er weiterhin auftrat. Nach der Machtübernahme durch Hitler emigrierte er in die Schweiz. Georgij Andrejewitsch starb 1938 im Alter von 57 Jahren in Basel.
Kommentare
Noch keine Kommentare. Seien Sie der Erste.
Um einen Kommentar zu hinterlassen, mit Google anmelden.