In Moskau gibt es viele schöne orthodoxe Kirchen, aber nur wenige wissen von der Existenz der anglikanischen Kirche St. Andreas. Die Geschichte der anglikanischen Gemeinde in der Hauptstadt beginnt in der Epoche von Iwan dem Schrecklichen, der britischen Kaufleuten erlaubte, ihren Glauben zu praktizieren.
Das vollständige Kirchengebäude wurde 1882-1884 anstelle einer alten hölzernen Kapelle erbaut. Die Mittel für den Bau stellte die britische Gemeinde mit Unterstützung der Englischen Handelsgesellschaft zur Verfügung. Der Architekt Richard Freeman entwarf das Projekt, und im Januar 1885 fand die Weihe des Tempels zu Ehren des Heiligen Andreas statt.
Die anglikanische Kirche in Moskau diente nicht nur als Ort des Gebets, sondern auch als gesellschaftliches Zentrum der britischen Diaspora. Hier befanden sich eine Bibliothek, ein Konferenzraum und ein Archiv, und auf der Spitze des Turms gab es einen Lagerraum, in dem wertvolle Gegenstände der Gemeindemitglieder aufbewahrt wurden.
Das Kirchengebäude ist im viktorianischen Stil der englischen Gotik gestaltet. Es handelt sich um eine einschiffige neogotische Basilika aus rotem Ziegel mit einem quadratischen Turm im Nordwesten. Die Gesamtfläche der Räumlichkeiten beträgt etwa 3.500 qm. Der Turm ist mit vier spitzen Pinnakeln und Wetterfahnen geschmückt.
Die schlichte Ausstattung des Schiffs hebt die Wirkung des jahrhundertealten Eichenbalkens und der Dachkonstruktion hervor und schafft eine mittelalterliche Atmosphäre. Die Wände sind weiß gestrichen, und die spitzbogigen Fensteröffnungen waren einst mit Glasmalereien geschmückt, die in der Sowjetzeit verloren gingen. An den Seitenwänden befinden sich 14 kleine Reliefs, die den Kreuzweg Jesu Christi darstellen.
Nach der Revolution von 1917 beschlagnahmten die Behörden viele wertvolle Gegenstände aus dem Lager der Kirche sowie 193.000 Rubel. Zu verschiedenen Zeiten beherbergte das Gebäude die diplomatische Vertretung Finnlands, ein Lager und ein Studentenwohnheim.
In den 1960er Jahren wurde hier das Plattenstudio „Melodija“ eingerichtet. Die Kirchenkuppeln sorgten für eine hervorragende Akustik, und hier nahmen führende Musiker der UdSSR auf.
Die Gottesdienste wurden 1991 wieder aufgenommen, aber die Kirche wurde erst nach dem Besuch von Königin Elizabeth II. in Moskau im Jahr 1994 vollständig an die anglikanische Gemeinde zurückgegeben.
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