In den letzten hundert Jahren hat die russische Emigration bereits mehrere Generationen hervorgebracht. Einige verließen die Heimat aufgrund realer Lebensgefahr, andere gingen später auf der Suche nach einem besseren Schicksal. Zur ersten Gruppe gehört die bekannte russische Dichterin Larissa Nikolajewna Andersen, geboren am 25. Februar 1911 in einer Familie eines Offiziers der russischen Kaiserlichen Armee. Ihre Heimatstadt wurde Chabarowsk, und ihr Geburtsname war Aderson. Im Exil änderte sie ihn in das wohlklingendere Andersen.
Nach der Niederlage der Weißen Bewegung zog Larissas Vater, Nikolai Michailowitsch Andersen, zunächst nach Wladiwostok und dann nach Harbin, das zum Zentrum der russischen Emigration im Fernen Osten wurde. Larissa, die damals 11 Jahre alt war, musste im Ausland zur Schule gehen. Sie schloss die Harbiner Schule erfolgreich ab und beschäftigte sich bereits zu dieser Zeit aktiv mit der Kreativität. In diesen Jahren war Harbin russischsprachig und zog die besten Vertreter der kreativen Elite der russischen Emigration an. Dort veröffentlichte Larissa Nikolajewna zum ersten Mal ihre Gedichte in der Zeitschrift „Rubezh“, was den Beginn ihrer Karriere markierte.
Den ersten Gedichtband, bereits unter dem geänderten Nachnamen, veröffentlichte sie in Shanghai, wohin sie Anfang der 1930er Jahre zog. In dieser Stadt lebten ebenfalls viele russische Emigranten, und ihre Poesie fand bei den Lesern Anklang. 1956 heiratete Larissa Andersen einen Mitarbeiter einer französischen Reederei, was einen erheblichen Einfluss auf ihr weiteres Leben hatte. Aufgrund häufiger Reisen entfernte sie sich allmählich von ihrem früheren Lebensstil. 1971 ließ sie sich in der Heimat ihres Mannes nieder, aber die Poesie nahm bereits nicht mehr einen zentralen Platz in ihrem Leben ein.
Larissa Andersen veröffentlichte insgesamt drei Gedichtbände, aber ihr Schaffen wurde von Persönlichkeiten wie dem Harbiner König der russischen Poesie Arsenij Nesmelov, ihrem Bewunderer Alexander Vertinskij und anderen herausragenden Vertretern der russischen Intelligenz hoch geschätzt. Neben der Poesie interessierte sich Larissa für Tanz und erzielte in diesem Bereich bedeutende Erfolge. Sie lebte 101 Jahre und verstarb am 29. März 2012.
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